Sturmwarnung: Handlungstyp 8

Crimson Tide Cover

Woran erkennt man, dass ein Handlungstyp 8 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als veranschaulichendes Beipiel eines Handlungstyps 8 mit Sturmwarnung dient im Folgenden der von Gene Hackman gespielte U-Boot Kommandant Ramsey im Film Crimson Tide (1995).

Hauptkurzschluss: FH

Liste 8 FH 2

Handlungstyp 8 verstärkt das Handeln: Seine Bauchenergie und damit die Durchsetzung seines Willens, die Abgrenzung seines „Territoriums“, seinen rudimentären Überlebensinstinkt und seinen Sinn für das simple Kausalitäts Ursache-Wirkung Prinzip welches ihm auf direkteste Weise ermöglicht, seinen Willen durchzusetzen und seine Autonomie zu behaupten.

Diese ausschliessliche Orientierung am unmittelbaren Einfluss seiner Handlungen wirkt sich auf sein Selbstbild aus: Ein 8er im Sturmzustand sieht sich selbst als Kämpfer und fühlt sich nur dann lebendig, wenn er gerade irgendwie kämpft. Daher erkennt man dieses Muster am besten daran, dass ein Sturm-8er zwanghaft alles und jeden in seinem Umfeld konfrontiert, provoziert und eine rechthaberische Haltung einnimmt. Dass er dabei umso entspannter wirkt, je konfliktgeladener die Situation ist, mag zunächst überraschen. Dies liegt daran dass solche Momente, in denen er sein kämpferisches Selbstbild pflegen kann, ihn an die wohligen Situationen in seiner Kindheit erinnern, in denen er durch die Verstärkung seines Handelns für sich selbst ein kurzfristig ausreichendes Mass an Autonomie erreichen konnte.

Sekundärer Kurzschluss: HF

Liste 8 HF 2

Handlungstyp 8 im Sturmzustand behandelt Gefühle. Seine eigenen und die der anderen. Beziehungen sind für ihn dazu da, ihm das Gefühl der Überlegenheit und Stärke zu geben, nach dem er süchtig ist. Seine Selbstbehauptung wird derart überbetont dass andere Personen und deren Wünsche verdrängt werden. Es sei denn, sie unterwerfen sich seiner Macht – dann stehen sie in seiner grosszügigen Gunst und werden von ihm als nützliches Eigentum in seinem „Revier“ verteidigt und beschützt.

Er kontrolliert die eigenen Empfindungen und das was er ausstrahlt: so tritt er emotional als jemand auf, der sich stets genüsslich holt was er will, das Leben im Griff hat und deswegen zufrieden ist. Er stellt eine schwelgerische Haltung zur Schau und gibt anderen gerne Ratschläge worauf es im Leben ankommt, wie man bekommt was man will und wie sie es ihm dabei gleichtun sollen.

Diese Haltung anderen Menschen gegenüber äussert sich in Mobbing unter Gleichaltrigen aber auch in einer elterlichen Erwartungshaltung an die Machtbestrebungen der Kinder. Alles scheint sich in seiner Welt nur um Macht zu drehen.

Fürs eigene Machtgefühl geht er über Leichen – In übertragenem Sinn, aber auch ganz Buchstäblich. Die Sozioapthen in den Gefängnissen sind psychisch hochkranke 8er. Sie handelten gewalttätig aus Machtrausch-sucht ohne über die langfristigen Konsequenzen ihres Handelns nachzudenken.

Sekundärer Kurzschluss: DD

Liste 8 DD 2

Mit diesem psychischen „Kurzschluss“ distanziert sich Handlungstyp 8 vom denken. Dadurch lebt er in einer realitätsfremd Schwarz/Weiss-vereinfachten Traumwelt: Er verdrängt die Komplexität und Vielschichtigkeit der Wirklichkeit und sieht stattdessen nur Freund oder Feind, nötiges und unnötiges, Angriff oder Verteidigung, Sieg oder Niederlage, Stärke oder Schwäche. Für alles andere scheint Handlungstyp 8 im Sturmzustand blind zu sein.

Zu komplexen Themen äussert er sich rechthaberisch weil er davon ausgeht dass wenn er sich im situativen schnellen Handeln auskennt, dies auch im Bereich des analysierens der Fall ist. Zu tiefen Dingen, zu welchen sich viele Menschen vor ihm über lange Zeit Gedanken gemacht haben, äussert er sich so als ob er grundsätzlich über allem stünde was irgendwie mit Erkenntnis zu tun hat – und das in herablassender weise. Er spricht und handelt so, als wäre das denken zum handeln völlig unnötig. Dass diese gedankliche Scheuklappen-Haltung nur sehr kurzfristig funktioniert und sein Umfeld in grosse Schwierigkeiten bringen kann, scheint ihn dabei wenig zu kümmern.

So funktioniert ein Handlungstyp 8 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person ist nicht in erster Linie am Wohl seiner Kinder interessiert sondern daran, dass sie ihr das Gefühl vermitteln, ein starker Elternteil zu sein. Statt das Bedürfnis ihrer Kinder nach Zuwendung und liebevoller Anleitung beim Betreten der komplizierten Welt zu stillen, stellt sie ihnen die Welt als kaltes Schwarz/Weiß – Schlachtfeld dar, in dem es für Liebe keinen Platz gibt und dem man nur mit Selbst-Abhärtung und Skrupellosigkeit begegnen kann.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, dessen einzige Form der Intimität der Schlagabtausch ist? Auf jemanden, der sich nur dann auf Menschen beziehen kann wenn diese sich seiner direkten Kontrolle unterwerfen? Jemand der sachliche Betrachtungen von Situationen grundsätzlich für überflüssig hält? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

 Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

 Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 8 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahegelegt: Dissoziale Persönlichkeitsstörung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Crimson Tide“ (1995) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Buena Vista Pictures


Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Recourcen so gut es geht anzugehen. Diese Recourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 8 bestand dieses Problem in einer zu stark eingeschränkten Autonomie. Enge, starre Regeln und unfaire Umsetzungen die heute so, morgen so sein konnten prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Innere Allianz dagegen verband sich so:

allianz 8
Die Verstärkung des Handelns war der Innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Handlungstyp 8 auf das Problem seiner gefährdeten Autonomie im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Autonomie problematisch darstellte, herrschten fürs fühlen günstige Umstände. Vielleicht legten seine Eltern viel Wert auf Nähe und Wärme. Jedenfalls war das Gefühl die stärkste Recource, die der Psyche von klein 8 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 8: FÜHLEN -> HANDELN, die Verstärkung seiner Handlungsenergie, abgekürzt mit „FH“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefärdeten Autonomie.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: HANDELN -> FÜHLEN, die Kontrolle über das Gefühl „HF“ und DENKEN -> DENKEN, die Distanzierung vom denken „DD“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Autonomie für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fliesst daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordet:

primär sekundär 8
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 8 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Handlungstyp 8 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor grosse Probleme stellt.

Sturmwarnung: Handlungstyp 8

Sturmwarnung: Gefühlstyp 3

American_Beauty_poster

Woran erkennt man, dass ein Gefühlstyp 3 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als Beispiel eines Gefühlstyps 3 mit Sturmwarnung soll im Folgenden die von Annette Bening gespielte Carolyn Burnham im Film „American Beauty“ (1999) dienen.

Hauptkurzschluss: DF

Liste 3 DF

Gefühlstyp 3 im Sturmzustand wirkt paradox: Einerseits gibt er sich äußerlich ganz besonders Gefühlvoll. Andererseits ist er einem persönlichen emotionalen Mitschwingen mit anderen Menschen gegenüber sehr distanziert. In seiner Gegenwart fühlt man sich nicht gesehen und kann auch ihn nicht sehen. Das liegt an seinem Hauptkurzschluss, daran, dass er sich aus Selbstschutz vor seinen eigenen und fremden tiefen Emotionen distanziert. Alles was man in diesem Zustand von ihm sieht, ist eine karrikaturartige, stets Erfolg ausstrahlende Maske. So lange man mit dieser Maske mitgeht, und so tut als erkenne man die Täuschung nicht, bewegt man sich im grünen Bereich. Sobald man wagt, Menschlichkeit zu zeigen oder sie gar zu erwarten, hat man ein Problem.

In der unteren Szene „tröstet“ Carolyn ihre Tochter die sich gerade von einem lautstarken Elternstreit zurückgezogen hat. Als diese aber nicht mitmacht, mit dem du-bist-eine fantastische-Mutter Programm, ist es vorbei mit der aufgesetzten „Empathie“ und Tochter soll nun Mutter trösten.

Der Selbstschutz der durch die Distanzierung von den Gefühlen erreicht wird, hat einen hohen Preis: Das Selbstgefühl. Um diesen Verlust auszugleichen verschafft sich Typ 3 durch die verbleibenden Funktionen Denken und Handeln ein künstliches Erfolgsgefühl. Dieser emotionale Selbstbetrug wird zur Sucht, deren Befriedigung die anderen Kurzschlüsse dienen.

Sekundärer Kurzschluss: FD

Liste 3 FD

Carolyn verstärkt das denken und identifiziert sich damit. Und weil dieser Kurzschluss dazu dient, sich selbst ein Erfolgsgefühl zu verschaffen, entstehen daraus tausende wegweisender „Siegergedanken“, Rezepte zum sicheren Erfolg, die sie zwanghaft sowohl ihrem Umfeld wie auch sich selbst immer und immer wieder glaubhaft zu machen versucht. Typ 3 mit Sturmwarnung liebt Erfolgsmantras.

Sekundärer Kurzschluss: HH

Liste 3 HH

Der zweite Kurzschluss, welcher der Suchtbefriedigung dient: Carolyn kontrolliert die Handlungsebene. Ihre eigenen Taten und die der anderen sind für sie etwas, was es stets dem Ziel – dem maximalen gefühlten Erfolg – anzupassen gilt.

So funktioniert ein Gefühlstyp 3 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die da sind. Eine so funktionierende Person ist gefühlsmäßig dissoziiert von den Kindern. Statt für sie emotional da zu sein, stellt sie unerfüllbar hohe Ansprüche an ihren äußerlichen Erfolg und gefährdet durch ihre Kontrollsucht die Entwicklung einer gesunden Autonomie der Kinder.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, dessen Gefühlswelt verschlossen ist? Auf jemanden, der davon abhängig ist, andere permanent in absurden Erfolgsrezepten zu unterweisen und ihr Verhalten zu kontrollieren? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 3 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Dissoziative Identitätsstörung, Histrionische Persönlichkeitsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „American Beauty“ (1999) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: DreamWorks Pictures


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Gefühlstyp 3 bestand dieses Problem in einer mangelhaften Versorgung mit Wärme. Zwischenmenschliche Unsicherheit, in welcher die persönliche Zuwendung nicht verlässlich war prägte die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 3
Die Distanzierung vom Gefühl war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Gefühlstyp 3 auf das Problem seiner gefährdeten Verorgung mit Wärme reagierte

Während sich der Lebensbereich der Wärme problematisch darstellte, herrschten fürs denken günstige Umstände. Vielleicht legten die Eltern viel Wert auf Erkenntnis und Sicherheit. Jedenfalls war das denken die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 3 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 3: DENKEN -> FÜHLEN, die Distanzierung von seinen Gefühlen, abgekürzt mit „DF“. Mit diesem dissoziativen inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Wärme.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> DENKEN, die Verstärkung des Denkens „FD“ und HANDELN -> HANDELN, die Kontrolle übers Handeln „HH“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Wärme für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

 

primär sekundär 3
Durch die sekundären Kurzschlüsse werde zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 3 das Problem der gefährdeten Wärme erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gefühlstyp 3 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gefühlstyp 3