Sturmwarnung: Handlungstyp 1

Gone Girl Cover Art

Woran erkennt man, dass ein Handlungstyp 1 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als überzeichnetes aber funktionierendes Beispiel eines Handlungstyps 1 mit Sturmwarnung dient im Folgenden die von Rosamund Pike gespielte Amy Dunne im Film Gone Girl (2015).

Hauptkurzschluss: HH

Liste 1 HH.png

Handlungstyp 1 kontrolliert die Handlungsenergie. Indem er als Kind seine Impulse und Handlungen an die Vorstellungen der Eltern anpasste, gelang es ihm, es ihnen unter grossen persönlichen Entbehrungen irgendwie knapp recht zu machen und sich ansonsten selbst zu bestrafen. Weil er dann von den Eltern in Ruhe gelassen wurde erreichte er so ein ausreichendes Maß an persönlicher Autonomie.

Erwachsene 1er die in diesen Überlebensmodus zurückfallen, fordern von sich selbst und anderen sehr viel. So viel dass sie es gerade eben unter großen persönlichen Entbehrungen hinkriegen, diesen übermenschlich hohen Erwartungen gerecht zu werden. Sturm-einer verhalten sich belehrend, streng und üben in allen Lebensbereichen zwanghaft Kontrolle aus. Sie fühlen sich aufgrund ihrer Entbehrungen dazu berechtigt, diese Maßstäbe aufzustellen und ungeachtet der Rechte anderer danach zu handeln. So setzen sie sich in ihren Entscheidungen über persönliche Grenzen hinweg.

In der Gegenwart eines Handlungstyps 1 mit Sturmwarnung fühlt man sich durch blicke, fehlende Worte und seine Körpersprache be- und verurteilt. Wenn man die Dinge nicht bis ins kleinste Detail so tut, wie er es seinen perfektionistischen Erwartung entspricht, ist man bereits durchgefallen.

Sekundärer Kurzschluss: FD

Liste 1 FD

Handlungstyp 1 im Sturmzustand verstärkt den Intellekt. Und weil dieser Kurzschluss dem Handlungskontrollierenden Hauptkurzschluss untergeordnet ist, äußert er sich dadurch, dass ein Sturm-einer äußerst stark darin ist, Regeln fürs perfekte Handeln und Gründe für deren Notwendigkeit zu ersinnen.

Diese Gedanken kriegt man selten direkt mit. Meistens hört man sie wenn er über andere spricht und sie vernichtend verurteilt. Und nach einer Weile weiß man dann, was die Runzeln auf seiner Stirn bedeuten, wenn er auch einen missbilligend anschweigt. Hinter seinen Kühlen Augen spricht ein sehr aktiver mentaler innerer Kritiker, der sich selbst und andere pausenlos an einer übertrieben hoch angesetzten Messlatte misst und beurteilt. Dieser so aufgeblähte innere Kritiker, half ihm in der Kindheit, einen Level des korrekten Handelns zu halten, der Ihm in der Problematik seines Familiensystems etwas persönliche Freiheit erkaufte.

Die Nachfolgende Szene gibt einen Einblick in die kritische und selbstherrlich überlegene Gedankenwelt eines Einers im Sturmzustand:

Sekundärer Kurzschluss: DF

Liste 1 DF

Nach dem Motto „Spontaneität steht dem korrekten Handeln im Weg“ distanziert sich Handlungstyp 1 vom Gefühl. Lediglich auf der von ihm kontrollierten Handlungsebene hält er sich vorbildlich an die Regeln des guten Tons. Und dies oft mit einer Belehrenden Note im Sinne von „Ich bringe dir bei, wie man das zwischenmenschlich richtig macht – sieh zu und lerne.“. So begegnet einem der Sturm-einser dort mit Professionalität wo man sich Menschlichkeit wünschen würde: Zwischenmenschlich befinden sich seine Partner in einem irritierenden Wechselbad aus freundlicher Handlungs-Wärme und unpersönlicher Gefühlskälte.

So funktioniert ein Handlungstyp 1 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person ist nicht in erster Linie am Wohl seiner Kinder interessiert sondern daran, dass sie ihr das Gefühl vermitteln, ein Elternteil zu sein, der es richtig macht. Statt Wärme gibt’s Regeln.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, der Zwanghaft das eigene und fremde Verhalten bis ins Detail regeln und kontrollieren muss? Auf jemanden, der einen genauso kritisch beurteilt wie sich und alle andern? Jemand, dessen Definition von zwischenmenschlicher Wärme im Knigge steht? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 1 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Zwanghafte Persönlichkeitsstörung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Gone Girl“ (2015) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Twentieth Century Fox Film Corporation


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 1 bestand dieses Problem in einer zu stark eingeschränkten Autonomie. Enge, starre Regeln und unfaire Umsetzungen die heute so, morgen so sein konnten prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 1
Die Kontrolle über die Handlungsenergie war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Handlunstyp 1 auf das Problem seiner gefährdeten Autonomie im Famliliensystem reagierte

Als Kind befand sich Handlungstyp 1 in der Situation dass sich der Lebensbereich der Autonomie problematisch darstellte und gleichzeitig für seine eigene Handlungsenergie günstige Bedingungen herrschten. Vielleicht hatte es ältere Geschwister die diese Umstände schufen, vielleicht war seine Bauchenergie durch Veranlagung besonders ausgeprägt. Jedenfalls war das Handeln die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 1 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 1: HANDELN -> HANDELN, die Kontrolle seiner Handlungsenergie, abgekürzt mit „HH“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Autonomie.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> DENKEN, die Verstärkung des Intellekts „FD“ und DENKEN -> FÜHLEN, die Distanzierung vom Gefühl „DF“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Autonomie für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 1
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Haupturzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 1 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Handlungstyp 1 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Handlungstyp 1

Sturmwarnung: Handlungstyp 8

Crimson Tide Cover

Woran erkennt man, dass ein Handlungstyp 8 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als veranschaulichendes Beipiel eines Handlungstyps 8 mit Sturmwarnung dient im Folgenden der von Gene Hackman gespielte U-Boot Kommandant Ramsey im Film Crimson Tide (1995).

Hauptkurzschluss: FH

Liste 8 FH 2

Handlungstyp 8 verstärkt das Handeln: Seine Bauchenergie und damit die Durchsetzung seines Willens, die Abgrenzung seines „Territoriums“, seinen rudimentären Überlebensinstinkt und seinen Sinn für das simple Kausalitäts Ursache-Wirkung Prinzip welches ihm auf direkteste Weise ermöglicht, seinen Willen durchzusetzen und seine Autonomie zu behaupten.

Diese ausschliessliche Orientierung am unmittelbaren Einfluss seiner Handlungen wirkt sich auf sein Selbstbild aus: Ein 8er im Sturmzustand sieht sich selbst als Kämpfer und fühlt sich nur dann lebendig, wenn er gerade irgendwie kämpft. Daher erkennt man dieses Muster am besten daran, dass ein Sturm-8er zwanghaft alles und jeden in seinem Umfeld konfrontiert, provoziert und eine rechthaberische Haltung einnimmt. Dass er dabei umso entspannter wirkt, je konfliktgeladener die Situation ist, mag zunächst überraschen. Dies liegt daran dass solche Momente, in denen er sein kämpferisches Selbstbild pflegen kann, ihn an die wohligen Situationen in seiner Kindheit erinnern, in denen er durch die Verstärkung seines Handelns für sich selbst ein kurzfristig ausreichendes Mass an Autonomie erreichen konnte.

Sekundärer Kurzschluss: HF

Liste 8 HF 2

Handlungstyp 8 im Sturmzustand behandelt Gefühle. Seine eigenen und die der anderen. Beziehungen sind für ihn dazu da, ihm das Gefühl der Überlegenheit und Stärke zu geben, nach dem er süchtig ist. Seine Selbstbehauptung wird derart überbetont dass andere Personen und deren Wünsche verdrängt werden. Es sei denn, sie unterwerfen sich seiner Macht – dann stehen sie in seiner grosszügigen Gunst und werden von ihm als nützliches Eigentum in seinem „Revier“ verteidigt und beschützt.

Er kontrolliert die eigenen Empfindungen und das was er ausstrahlt: so tritt er emotional als jemand auf, der sich stets genüsslich holt was er will, das Leben im Griff hat und deswegen zufrieden ist. Er stellt eine schwelgerische Haltung zur Schau und gibt anderen gerne Ratschläge worauf es im Leben ankommt, wie man bekommt was man will und wie sie es ihm dabei gleichtun sollen.

Diese Haltung anderen Menschen gegenüber äussert sich in Mobbing unter Gleichaltrigen aber auch in einer elterlichen Erwartungshaltung an die Machtbestrebungen der Kinder. Alles scheint sich in seiner Welt nur um Macht zu drehen.

Fürs eigene Machtgefühl geht er über Leichen – In übertragenem Sinn, aber auch ganz Buchstäblich. Die Sozioapthen in den Gefängnissen sind psychisch hochkranke 8er. Sie handelten gewalttätig aus Machtrausch-sucht ohne über die langfristigen Konsequenzen ihres Handelns nachzudenken.

Sekundärer Kurzschluss: DD

Liste 8 DD 2

Mit diesem psychischen „Kurzschluss“ distanziert sich Handlungstyp 8 vom denken. Dadurch lebt er in einer realitätsfremd Schwarz/Weiss-vereinfachten Traumwelt: Er verdrängt die Komplexität und Vielschichtigkeit der Wirklichkeit und sieht stattdessen nur Freund oder Feind, nötiges und unnötiges, Angriff oder Verteidigung, Sieg oder Niederlage, Stärke oder Schwäche. Für alles andere scheint Handlungstyp 8 im Sturmzustand blind zu sein.

Zu komplexen Themen äussert er sich rechthaberisch weil er davon ausgeht dass wenn er sich im situativen schnellen Handeln auskennt, dies auch im Bereich des analysierens der Fall ist. Zu tiefen Dingen, zu welchen sich viele Menschen vor ihm über lange Zeit Gedanken gemacht haben, äussert er sich so als ob er grundsätzlich über allem stünde was irgendwie mit Erkenntnis zu tun hat – und das in herablassender weise. Er spricht und handelt so, als wäre das denken zum handeln völlig unnötig. Dass diese gedankliche Scheuklappen-Haltung nur sehr kurzfristig funktioniert und sein Umfeld in grosse Schwierigkeiten bringen kann, scheint ihn dabei wenig zu kümmern.

So funktioniert ein Handlungstyp 8 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person ist nicht in erster Linie am Wohl seiner Kinder interessiert sondern daran, dass sie ihr das Gefühl vermitteln, ein starker Elternteil zu sein. Statt das Bedürfnis ihrer Kinder nach Zuwendung und liebevoller Anleitung beim Betreten der komplizierten Welt zu stillen, stellt sie ihnen die Welt als kaltes Schwarz/Weiß – Schlachtfeld dar, in dem es für Liebe keinen Platz gibt und dem man nur mit Selbst-Abhärtung und Skrupellosigkeit begegnen kann.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, dessen einzige Form der Intimität der Schlagabtausch ist? Auf jemanden, der sich nur dann auf Menschen beziehen kann wenn diese sich seiner direkten Kontrolle unterwerfen? Jemand der sachliche Betrachtungen von Situationen grundsätzlich für überflüssig hält? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

 Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

 Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 8 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahegelegt: Dissoziale Persönlichkeitsstörung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Crimson Tide“ (1995) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Buena Vista Pictures


Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Recourcen so gut es geht anzugehen. Diese Recourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 8 bestand dieses Problem in einer zu stark eingeschränkten Autonomie. Enge, starre Regeln und unfaire Umsetzungen die heute so, morgen so sein konnten prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Innere Allianz dagegen verband sich so:

allianz 8
Die Verstärkung des Handelns war der Innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Handlungstyp 8 auf das Problem seiner gefährdeten Autonomie im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Autonomie problematisch darstellte, herrschten fürs fühlen günstige Umstände. Vielleicht legten seine Eltern viel Wert auf Nähe und Wärme. Jedenfalls war das Gefühl die stärkste Recource, die der Psyche von klein 8 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 8: FÜHLEN -> HANDELN, die Verstärkung seiner Handlungsenergie, abgekürzt mit „FH“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefärdeten Autonomie.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: HANDELN -> FÜHLEN, die Kontrolle über das Gefühl „HF“ und DENKEN -> DENKEN, die Distanzierung vom denken „DD“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Autonomie für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fliesst daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordet:

primär sekundär 8
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 8 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Handlungstyp 8 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor grosse Probleme stellt.

Sturmwarnung: Handlungstyp 8

Sturmwarnung: Gedankentyp 7

catch-me poster

Woran erkennt man, dass ein Gedankentyp 7 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Der von Leonardo DiCaprio gespielte Trickbetrüger Frank Abagnale in „Catch Me If You Can“ (2002) ist ein überzeichnetes aber zur Veranschaulichung sehr geeignetes Beispiel eines Gedankentyp 7 mit Sturmwarnung.

Hauptkurzschluss: HD

Liste 7 HD

Gedankentyp 7 behandelt das Denken. Er kontrolliert in diesem Kurzschluss zwanghaft seine Gedanken und zwar in einer Weise, wie es ein Glücksgefühl und damit Sicherheit erzeugt – Im Familiensystem seiner Kindheit hatte er die Erfahrung gemacht, dass man sich nur dann um ihn kümmert, wenn es ihm gut geht. Daher nutzt er sein Denken im Sturmzustand auf folgende glücklichkeitsstimulierende weisen:

– Vorausplanung: Seine Gedanken sind darauf ausgerichtet, sich ein Glücklichkeits-Wohlfühlprogramm mit vielen aufregenden Höhepunkten zusammenzustellen. Das macht Gedankentyp 7 zum rastlosen Organisator für bunte, ausgefallene Gruppenaktivitäten in welchen er dann gleichzeitig die Party schmeißt und „genießt“.

– Situativ: Von Moment zu Moment richtet er seine Gedanken kontrolliert auf die Dinge, die ihm unmittelbar ein Genussgefühl geben. Buntes, lautes, schönes, aufregendes, neues. Dabei fällt Außenstehenden auf, dass seine Aufmerksamkeit ausschließlich diesem Zweck dient. Sich hingegen auf etwas konstantes, eintöniges zu konzentrieren fällt Gedankentyp 7 im Sturmzustand nicht nur schwer, sondern stresst ihn außerordentlich, da er dann seine Sicherheit bedroht fühlt (Stichwort: ADS).

-Inspiration: Um den weiteren Verlauf seines Lebens genussvoll zu erhalten ist er ständig auf der Suche nach Inspiration dafür und scannt sein Umfeld auf mögliche Quellen.

Weil ein Siebner im Sturmzustand von der Stimulation mit erfreulichen Gedanken abhängig ist, tritt er nicht nur sich selbst sondern auch gegenüber anderen als charmanter Gedankenpolizist auf. Heiterkeits-fördernde Gedanken sind gut, werden gedacht, in anderen gefördert und manchmal mit missionarischem Eifer gepredigt. Gedanken hingegen, die sich um die „langweiligeren“, ernsteren oder gar traurigeren Bereiche des Lebens drehen werden postwendend bekämpft in dem der Sturm-Siebner an ihnen beweist, dass er sie ins „positive“ zu verändern versteht.

Die Bandbreite der Auswirkungen reicht dabei von etwas anstrengenden Begegnungen, in denen man mit einstellungs-korrigierenden Erfolgsgedanken ungebeten gecoached wird, über die vielen harmlosen Bücher zum Thema „positives Denken“ bis hin zu ernsten Scharlatanerien, in denen kranke Siebner leichtgläubige Nachfolgerschaften um sich scharen und von ihrer Erfolgsideologie abhängig machen.

Sekundärer Kurzschluss: DH

 

Liste 7 DH

Gedankentyp 7 im Sturmzustand distanziert sich von den Konsequenzen seiner Handlungen, von Verantwortung. Besonders auffällig wird dies in festen Beziehungen wo es drauf ankommt füreinander in guten wie in schweren Zeiten da zu sein. Dies wird als sehr stressig empfunden und so ergreift die Sturm-7 immer dann die Flucht, wenn eine Beziehung verlässlicher zu werden droht. Was in der unteren Hochzeits-szene übertrieben dargestellt ist, geschieht in romantischen Beziehungen manchmal als buchstäbliche Flucht, in Familien eher als Flucht in die Arbeit, was nicht selten zum Workaholismus führt.

Sekundärer Kurzschluss: FF

Liste 7 FF.png

Typ 7 verstärkt Glücksgefühle und identifiziert sich damit. Auf andere geht er dadurch ganz besonders charmant und gewinnend zu. In seinem ungesunden Zustand geschieht dies allerdings nur bis zu dem Grade wie es seine Genussucht unterstützt. Seine betonte Emotionalität erhält dadurch einen auf lange Sicht auffallend egoistischen Charakter.

Die zwischenmenschliche Devise einer ungesunden Sieben lautet: flirten ja und intensiv weil es unmittelbaren Genuss bedeutet; Bindung nein, weil fremde Bedürfnisse sie in ihrem Erlebnis-Programm einschränken.

So funktioniert ein Gedankentyp 7 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person bewegt sich rastlos von Event zu Event und wenn sie mal physisch anwesend ist, sind ihre Gedanken schon beim nächsten Spektakel statt beim Leben der Kinder. Diese fühlen die teilnahmslose Verantwortungsflucht dieses Elternteils und werden bei seiner emotionalen Selbststimulation als Mittel zum Zweck eingespannt.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, den man eigentlich nie „antrifft“? Auf jemanden, der auscheckt sobald Verlässlichkeit gefragt ist? Jemand dessen Emotionalität sich unter dem Strich nur ums eigene unmittelbare Genusserleben dreht? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und Lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 7 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: ADHS/ADS, Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Bipolare Störung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Catch Me If You Can“ (2002) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: DreamWorks Pictures


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 7 bestand dieses Problem in mangelnder Sicherheit. Unklarheiten und gefährlich unübersichtliche Situationen prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 7
Die Kontrolle über das Denken war der innere Kurzschluss mit dem dir Psyche von Gedankentyp 7 auf das Problem seiner gefährdeten Sicherheit im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Sicherheit problematisch darstellte, herrschten fürs Handeln günstige Umstände. Vielleicht legten die Eltern viel Wert auf Tüchtigkeit und Leistung. Jedenfalls war das Handeln die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 7 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 7: HANDELN -> DENKEN, die Kontrolle übers Denken, abgekürzt mit „HD“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Sicherheit.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: DENKEN -> HANDELN, die Verstärkung der Handlungsenergie „DH“ und FÜHLEN -> FÜHLEN, die Verstärkung des Gefühls „FF“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Sicherheit für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 7
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 7 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gedankentyp 7 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gedankentyp 7

Sturmwarnung: Gedankentyp 6

Social Network Cover

Woran erkennt man, dass ein Gedankentyp 6 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Der von Jesse Eisenberg gespielte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in „The Social Network“ (2010) dient im Folgenden als Beispiel für einen Gedankentyp 6 mit Sturmwarnung.

Hauptkurzschluss: DD

Liste 6 DD

Gedankentyp 6 distanziert sich in seinem Hauptkurzschluss vom Denken. Dies erscheint auf den ersten Blick paradox, weil gerade er mehr als alle anderen in der Welt der Gedanken und Fakten zu hause zu sein scheint. Doch wie beim Gefühlstyp 3, der sich wegen seiner Distanziertheit gegenüber seiner inneren Gefühle zur Kompensation betont in der äußerlichen Gefühlswelt bewegt sind es auch beim Gedankentyp 6 nicht seine inneren, persönliche Gedanken, um die sich seine Aussagen drehen sondern äußerliche: Er spricht über Dinge und Informationen, zitiert Gesellschaftskritiker und kann sich in intensiven Erzählungen über bedeutende Wendepunkte der Menschheitsgeschichte verlieren. Doch was seine eigene Geschichte betrifft, sieht es ganz anders aus. Im Gespräch mit ihm scheint man einen Menschen ohne Vergangenheit vor sich zu haben. Von diesem Bereich – dem Bereich seiner eigenen Identität – distanziert er sich und kompensiert den Verlust dieses Identitätsgefühls durch eine äusserst aktive Schutzschicht zusammengetragener äußerlicher Gedanken. Das macht seine Ausstrahlung ungreifbar und kernlos.

Nicht nur von seiner eigenen inneren Logik sondern auch von Gedanken die von außen an ihn herangetragen werden, distanziert er sich. Er zweifelt generell an Aussagen und an der Inhaltlichen Aufrichtigkeit seines Gegenübers – besonders dann, wenn der Input ihn irgendwie persönlich betreffen könnte. Erkennbar wird dies mal durch direktes misstrauisches Hinterfragen der Beweggründe, mal durch eine passive überhebliche wie-auch-immer Haltung, in welcher er demonstrativ nicht hinhört.

Gedankentyp 6 ist derjenige, bei dem die Geschlechterunterschiede am deutlichsten sind. Der Grund dafür ist, dass Typ 6 sich mit seinem Hauptkurzschluss von seiner Identität distanziert. Und diese wird dann bei Mann und Frau unterschiedlich neu „zusammengebastelt“: Männer kompensieren den Identitätsverlust tendenziell mehr über die Handlungsebene – Konkurrenz, Arbeit, Leistungen; Frauen über die Gefühlsebene – sexuelle Anziehungskraft, „sammeln“ von Werbern, sozialer Status.

Von den nachfolgenden sekundären Kurzschlüssen tritt deswegen bei Männern eher der erste zu Tage (FH), bei Frauen eher der zweite (HF).

Sekundärer Kurzschluss: FH

Liste 6 FH

„Identität gefährdet? mir egal. und überhaupt wollen wir das in Zukunft mal sehen“ sagte die Psyche des Kindes und stürzte sich ins Handeln. Und so tut es auch der erwachsene Sechser im Sturmzustand. Er verstärkt sein Handeln und den eigenen Willen, seine Durchsetzungskraft und identifiziert sich mit seinen Errungenschaften. Er verstärkt den Konflikt- und Wettkampfgeist in dem Masse wie es für das wiederherstellen des verlorenen Selbstsicherheitsgefühls nötig ist.

Sekundärer Kurzschluss: HF

Liste 6 HF

Gedankentyp 6 mit Sturmwarnung behandelt Beziehungen und Gefühle wie Dinge. Er muss darin zwanghaft die Kontrolle innehaben, die er dominant und zum Teil skrupellos ausübt. Er passt die Beziehungen zu anderen Menschen aktiv seiner Sucht nach dem Selbstsicherheitsgefühl an und bedient sich dabei seiner Freunde als Mittel zum Zweck.

So funktioniert ein Gedankentyp 6 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Ein so funktionierender Mensch zeigt keine Identität und hält damit dem Kind die benötigten Orientierungspunkte vor. Stattdessen flüchtet er vor seinen Kindern in eine abgehobene Expertenwelt und betrachtet sie als Visitenkarten die durch besondere Leistungen seinem Selbstsicherheitsgefühl dienen sollen.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, der seine Identität aus der Beziehung raus hält und allem und jedem misstraut? Auf jemanden, der sein Identitätsgefühl mit besonderen Leistungen aufrechterhalten muss? Jemand dessen Beziehungsbereitschaft von seiner überlegenen Position darin abhängig ist, die er zwanghaft sicherstellt? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 6 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Asperger Syndrom, Schizoaffektive Störung, Paranoide Persönlichkeitsstörung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Autismus.

Sonnige Grüsse 😉


 

Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „The Social Network“ (2010) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Columbia Pictures


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 6 bestand dieses Problem in mangelnder Sicherheit. Unklarheiten und gefährlich unübersichtliche Situationen prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 6
Die Distanzierung vom Denken war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Gedankentyp 6 auf das Problem seiner gefährdeten Sicherheit im Familiensystem reagierte

Als Kind befand sich Gedankentyp 6 in der Situation dass sich der Lebensbereich der Sicherheit problematisch darstellte und gleichzeitig für sein eigenes Denken günstige Bedingungen herrschten. Vielleicht hatte es ältere Geschwister die diese Umstände schufen, vielleicht war seine Mentale Energie durch Veranlagung besonders ausgeprägt. Jedenfalls war das Denken die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 6 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 6: DENKEN -> DENKEN, die Distanzierung vom Denken, abgekürzt mit „DD“. Mit diesem dissoziativen inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Sicherheit.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> HANDELN, die Verstärkung der Handlungsenergie „FH“ und HANDELN -> FÜHLEN, die Kontrolle über das Gefühl „HF“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Sicherheit für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 6
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 6 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gedankentyp 6 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

 

 

Sturmwarnung: Gedankentyp 6

Sturmwarnung: Gedankentyp 5

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Woran erkennt man, dass ein Gedankentyp 5 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als Beispiel eines Typ 5 mit Sturmwarnung dient nun der Hauptcharakter Humbert in „Lolita“ (1997), gespielt von Jeremy Irons.

Hauptkurzschluss: FD

Liste 5 FD

Gedankentyp 5 im Sturmzustand flüchtet in den Kopf. Er verstärkt das Denken, distanziert sich und blickt in seiner Einbildung „von außen“ auf das Geschehen. Aus dieser Position sammelt er Informationen die er wenn möglich sofort, oder wenn nötig später, verarbeitet. Obwohl er noch da ist, man emotional und auf der Handlungsebene noch etwas von ihm mitkriegt, ist das nichts, was mit ihm zu tun hat. Während seine Seele stumm im Kopf sitzt, laufen Handeln und Fühlen auf Autopilot. Mit seinem Fühlen – Denken Kurzschluss verstärkt er die Distanziertheit. Er verstärkt seine Fähigkeit, logische Zusammenhänge zu erkennen, Schlüsse zu ziehen und mental Ordnung ins Chaos zu bringen – Etwas, was in seiner Kindheit überlebenswichtig war.

So lebt ein Gedankentyp 5 mit Sturmwarnung ständig in der Rückblende und lässt die Realität lethargisch an sich vorbeiziehen. Seiner Lebensführung mangelt die eigene Führung und seine einzige Perspektive scheint die Retrospektive zu sein. Opportunistisch holt er aus dem, was andere für ihn entscheiden das heraus, was ihm dient ohne dabei eine Rolle zu spielen.

Die unteren Szenen veranschaulichen diese distanzierte Lebenshaltung. Humbert wird von seiner Vermieterin informiert, dass sie ihn heiraten will und dass sein Bleiben seine Zustimmung bedeutet. Da er sich heimlich für ihre Tochter interessiert, bleibt er und heiratet. Seine wahren Gedanken und Gefühle seiner neuen Frau gegenüber schreibt er auf und versteckt sie in seinem Schreibtisch. Als sie den Schlüssel findet, fliegt sein zwischenmenschliches Doppelleben auf. Dieses Fluchtverhalten in eine innere geheime Gedankenwelt ist bezeichnend für einen Gedankentyp 5 mit Sturmwarnung.

Sekundärer Kurzschluss: DF

Liste 5 DF

Um den Hauptkurzschluss aufrecht zu erhalten – um in seiner ordnenden, versteckten Gedankenwelt nicht gestört zu werden – distanziert sich Humbert von den Gefühlen. Das heißt nicht, dass er zwangsläufig Gefühllos wirkt. Aber seine Gefühle haben im Sturmzustand nichts mit ihm als Person und seinen Werten zu tun. Er versteckt sich hinter einer charakterlosen, dauer-mitschwingenden Maske. Dadurch macht er sich zu einer emotionalen Marionette, die wegen ihrer Gefühlsdistanziertheit nicht mitzukriegen scheint, wenn man Spiele mit ihr treibt. Auf Gefühlsebene ist Gedankentyp 5 im Sturmzustand das Fähnchen im Wind der Stürme anderer. Und „überlebt“ emotional von dem was er dabei zufällig kriegen kann. Sichtbar wird das durch eine hündische Abhängigkeit die sich im Extremfall zur Besessenheit entwickelt.

Sekundärer Kurzschluss: HH

Liste 5 HH

Humbert Kontrolliert das Handeln und die Bedürfnisse. Und weil dieser Kurzschluss der distanzierten Lebenshaltung dient, äußert er sich in hauptsächlich in passiven Formen und ist meistens nach innen gerichtet: Er passt seine eigenen Bedürfnisse dem an, was zu den äußeren Umständen passt und was ihm auf lange Sicht ermöglicht, auch irgendwie auf die Rechnung zu kommen. Er „Lügt mit dem Bauch“ wenn er auf fremde Wünsche eingeht und dabei so tut, als seien das auch die eigenen. Dies kommt in kleinen Schmeicheleien zum Ausdruck aber auch in dramatischeren Momenten, in denen er fähig ist, seinen Willen und die eigene Wut in Sekundenschnelle den äußeren Umständen anzupassen.

So funktioniert ein Gedankentyp 5 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person lebt dissoziiert von den Kindern. Sie mag in der Theorie viele Ideen haben und klare Vorstellungen von einer „guten Erziehung“. Aber für sie emotional da zu sein, und ihre Autonomie zu fördern ist ihr unmöglich. Stattdessen macht sie sich emotional von den Kindern abhängig und erwartet von ihnen, ihr die Sicherheit zu geben, die sie bei den eigenen Eltern vermisste. So kehrt sie die Fürsorge-Hierarchie um und schadet damit der Psyche der Kinder.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, der in einer verschlossenen, mentalen Geheimwelt lebt? Auf jemanden, der sich immer emotional ausklinkt und sich abhängig macht? Jemand, dessen Bedürfnisse nicht die eigenen sind sondern sich wie eine automatisierte Kriegstaktik chamäleonartig dem Umfeld anpassen? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 5 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Dependente Persönlichkeitsstörung, Kodependenz, Schizoide Persönlichkeitsstörung, Ängstlich-Vermeidende Persönlichkeitsstörung, Autismus.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Lolita“ (1997) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Pathé, The Samuel Goldwyn Company


Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 5 bestand dieses Problem in mangelnder Sicherheit. Unklarheiten und gefährlich unübersichtliche Situationen prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 5
Die Verstärkung des Denkens war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Gedankentyp 5 auf das Problem seiner gefährdeten Sicherheit im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Sicherheit problematisch darstellte, herrschten fürs Fühlen günstige Umstände. Vielleicht legten seine Eltern viel Wert auf Nähe und Wärme. Jedenfalls war das Gefühl die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 5 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 5: FÜHLEN -> DENKEN, die Verstärkung von seiner Mentalen Energie, abgekürzt mit „FD“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Sicherheit.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: DENKEN -> FÜHLEN, die Distanzierung vom Gefühl „DF“ und HANDELN -> HANDELN, die Kontrolle der Bauchenergie „HH“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Sicherheit für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 5
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 5 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gedankentyp 5 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gedankentyp 5

Sturmwarnung: Gefühlstyp 4

vergiss-mein-nicht-poster

Woran erkennt man, dass ein Gefühlstyp 4 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Die von Kate Winslet gespielte Clementine im Film „Vergiss mein nicht!“ (2004) eignet sich hervorragend als Beispiel eines Typs 4 mit Sturmwarnung…

Hauptkurzschluss: HF

Liste 4 HF

Mit seinem H- Hauptkurzschluss ist Gefühlstyp 4 im Sturmzustand einer der „herrschsüchtigen Selbstversorger“. Diese herrschen über die entsprechende Ebene um sich selbst damit zu versorgen. Bei Typ 4 ist es die Gefühlsebene – es geht um die Selbstversorgung mit Wärme. Die Person gibt sich selbst das wohlwollende Gesehenwerden das ihr in der Kindheit mangelte.

Dabei ist sie nicht nur sich selbst ein Spiegel sondern bringt auch andere dazu, Spiegel zu sein. Magische Spiegel, die jederzeit nur erfreuliches Spiegeln. Von dieser positiven Rückmeldung abhängig kontrolliert sie zwanghaft, wie andere sie sehen. Sie muss auffallend einzigartig sein und andere mit Charme und Verführungskunst dazu bringen, diese Einzigartigkeit zu bemerken und darauf positiv zu reagieren. Mal geschieht dies passiv indirekt, mal mit emotionalem Powerplay durch das die gefühlsmäßige Bindung des „Spiegels“ sehr schnell sehr tief werden soll.

Gelingt es, ist die Sucht befriedigt und bis auf eine gewisse Langeweile ist alles in Ordnung. Kommt aber vom Umfeld einmal keine oder gar eine negative Rückmeldung, eilen die beiden sekundären Kurzschlüsse zu Hilfe.

Sekundärer Kurzschluss: FH

Liste 4 FH

Der Kurzschluss Fühlen – Handeln bewirkt die Verstärkung der eigenen Handlungsenergie. Die Identifikation mit dem eigenen Willen und dessen Durchsetzung. Und weil dieser Kurzschluss der emotionalen Selbstversorgung untergeordnet ist, äußert er sich in Provokationen und emotional inszenierten Dramen. In Kämpfen, die auf das Resultat abzielen, dass schlussendlich ein positiv gefühltes Selbstbild entsteht. So wird Typ 4 im Sturmzustand zur „Drama Queen“. Dieses dominante Auftreten überrascht und irritiert das Umfeld oft, da es wie ein Blitz aus heiterem Himmel zu kommen scheint.

Der auslösende Grund dafür ist fehlende positive Spiegelung. Die Logik dahinter: „Willst du nicht mein magischer Spiegel sein, bring ich dich emotional dazu, im Unrecht zu sein und verschaffe mir so das gute Gefühl dir gegenüber, von dem ich abhängig bin.“

Sekundärer Kurzschluss: DD

Liste 4 DD

Der zweite Kurzschluss, der in Kraft tritt, sobald keine positive Spiegelung von außen kommt ist Denken – Denken: Die Distanzierung von Gegebenheiten, Zusammenhängen und Logik. Auf dieser Ebene gibt es dann keine „Kohärenz“, keine konsequent schlüssigen Taten oder Aussagen. Auch dieser Kurzschluss dient der emotionalen Selbstversorgung mit einem positiven Selbstbild und äußert sich der Flucht in eine Phantasiewelt, in der das Selbstbild passt. Von außen betrachtet sieht diese Phantasiewelt mal übertrieben kindlich, heiter und gelassen, mal traurig melancholisch aus:

Eine „Nebenwirkung“ der Distanzierung vom Denken ist die damit einhergehende Distanzierung von der eigenen Identität, dem Gefühl für „ich-bin-ich und du-bist-du“. Sie äußert sich in depressiven Episoden, in denen die Person das Gefühl hat, auseinander zu fallen. Auch dann muss jemand her, der durch seine Spiegelung das negative Gefühl von außen kuriert und das Puzzle des zerbrochenen Selbstbilds wieder makellos zusammensetzt.

So funktioniert ein Gefühlstyp 4 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person, ist zwar emotional sehr präsent, aber nicht für die Kinder. Sondern tut aufgrund ihrer Sucht nach positiver Rückmeldung alles dafür, ihre Kinder zu unehrlichen immer-nur-gut-Spiegeln zu machen. Und weil sie in selbstidealisierenden, ständig wechselnden Phantasiewelten lebt, kann sie einem Kind nicht die Stabilität bieten, die es für seine gesunde Entwicklung benötigt.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht im selben Masse vom Partner abhängig doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, dessen Emotionalität nur auf das pausenlose erhalten positiver Aufmerksamkeit ausgerichtet ist? Auf jemanden der unfair aggressiv wird, sobald diese fehlt? Jemand, der die meiste Zeit in unzugänglichen Traumwelten lebt? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 2 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Borderline Persönlichkeitsstörung, Histrionische Persönlichkeitsstörung, Bipolare Störung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Vergiss mein Nicht!“ (2004) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Focus Features


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Gefühlstyp 4 bestand dieses Problem in einer mangelhaften Versorgung mit Wärme. Zwischenmenschliche Unsicherheit, in welcher die persönliche Zuwendung nicht verlässlich war prägte die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 4
Die Kontrolle über das Gefühl war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Gefühlstyp 4 auf das Problem seiner gefährdeten Versorgung mit Wärme im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Wärme problematisch darstellte, herrschten fürs Handeln günstige Umstände. Vielleicht legten die Eltern viel Wert auf Tüchtigkeit und Leistung. Jedenfalls war das Handeln die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 4 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 4: HANDELN -> FÜHLEN, die Kontrolle des Fühlens, abgekürzt mit „HF“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Wärme.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> HANDELN, die Verstärkung des Handelns „FH“ und DENKEN -> DENKEN, die Kontrolle übers Handeln „DD“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Wärme für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 4
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 4 das Problem der gefährdeten Wärme erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gefühlstyp 4 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gefühlstyp 4

Sturmwarnung: Gefühlstyp 3

American_Beauty_poster

Woran erkennt man, dass ein Gefühlstyp 3 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als Beispiel eines Gefühlstyps 3 mit Sturmwarnung soll im Folgenden die von Annette Bening gespielte Carolyn Burnham im Film „American Beauty“ (1999) dienen.

Hauptkurzschluss: DF

Liste 3 DF

Gefühlstyp 3 im Sturmzustand wirkt paradox: Einerseits gibt er sich äußerlich ganz besonders Gefühlvoll. Andererseits ist er einem persönlichen emotionalen Mitschwingen mit anderen Menschen gegenüber sehr distanziert. In seiner Gegenwart fühlt man sich nicht gesehen und kann auch ihn nicht sehen. Das liegt an seinem Hauptkurzschluss, daran, dass er sich aus Selbstschutz vor seinen eigenen und fremden tiefen Emotionen distanziert. Alles was man in diesem Zustand von ihm sieht, ist eine karrikaturartige, stets Erfolg ausstrahlende Maske. So lange man mit dieser Maske mitgeht, und so tut als erkenne man die Täuschung nicht, bewegt man sich im grünen Bereich. Sobald man wagt, Menschlichkeit zu zeigen oder sie gar zu erwarten, hat man ein Problem.

In der unteren Szene „tröstet“ Carolyn ihre Tochter die sich gerade von einem lautstarken Elternstreit zurückgezogen hat. Als diese aber nicht mitmacht, mit dem du-bist-eine fantastische-Mutter Programm, ist es vorbei mit der aufgesetzten „Empathie“ und Tochter soll nun Mutter trösten.

Der Selbstschutz der durch die Distanzierung von den Gefühlen erreicht wird, hat einen hohen Preis: Das Selbstgefühl. Um diesen Verlust auszugleichen verschafft sich Typ 3 durch die verbleibenden Funktionen Denken und Handeln ein künstliches Erfolgsgefühl. Dieser emotionale Selbstbetrug wird zur Sucht, deren Befriedigung die anderen Kurzschlüsse dienen.

Sekundärer Kurzschluss: FD

Liste 3 FD

Carolyn verstärkt das denken und identifiziert sich damit. Und weil dieser Kurzschluss dazu dient, sich selbst ein Erfolgsgefühl zu verschaffen, entstehen daraus tausende wegweisender „Siegergedanken“, Rezepte zum sicheren Erfolg, die sie zwanghaft sowohl ihrem Umfeld wie auch sich selbst immer und immer wieder glaubhaft zu machen versucht. Typ 3 mit Sturmwarnung liebt Erfolgsmantras.

Sekundärer Kurzschluss: HH

Liste 3 HH

Der zweite Kurzschluss, welcher der Suchtbefriedigung dient: Carolyn kontrolliert die Handlungsebene. Ihre eigenen Taten und die der anderen sind für sie etwas, was es stets dem Ziel – dem maximalen gefühlten Erfolg – anzupassen gilt.

So funktioniert ein Gefühlstyp 3 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die da sind. Eine so funktionierende Person ist gefühlsmäßig dissoziiert von den Kindern. Statt für sie emotional da zu sein, stellt sie unerfüllbar hohe Ansprüche an ihren äußerlichen Erfolg und gefährdet durch ihre Kontrollsucht die Entwicklung einer gesunden Autonomie der Kinder.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, dessen Gefühlswelt verschlossen ist? Auf jemanden, der davon abhängig ist, andere permanent in absurden Erfolgsrezepten zu unterweisen und ihr Verhalten zu kontrollieren? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 3 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Dissoziative Identitätsstörung, Histrionische Persönlichkeitsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „American Beauty“ (1999) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: DreamWorks Pictures


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Gefühlstyp 3 bestand dieses Problem in einer mangelhaften Versorgung mit Wärme. Zwischenmenschliche Unsicherheit, in welcher die persönliche Zuwendung nicht verlässlich war prägte die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 3
Die Distanzierung vom Gefühl war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Gefühlstyp 3 auf das Problem seiner gefährdeten Verorgung mit Wärme reagierte

Während sich der Lebensbereich der Wärme problematisch darstellte, herrschten fürs denken günstige Umstände. Vielleicht legten die Eltern viel Wert auf Erkenntnis und Sicherheit. Jedenfalls war das denken die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 3 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 3: DENKEN -> FÜHLEN, die Distanzierung von seinen Gefühlen, abgekürzt mit „DF“. Mit diesem dissoziativen inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Wärme.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> DENKEN, die Verstärkung des Denkens „FD“ und HANDELN -> HANDELN, die Kontrolle übers Handeln „HH“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Wärme für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

 

primär sekundär 3
Durch die sekundären Kurzschlüsse werde zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 3 das Problem der gefährdeten Wärme erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gefühlstyp 3 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gefühlstyp 3