Sturmwarnung: Handlungstyp 1

Gone Girl Cover Art

Woran erkennt man, dass ein Handlungstyp 1 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als überzeichnetes aber funktionierendes Beispiel eines Handlungstyps 1 mit Sturmwarnung dient im Folgenden die von Rosamund Pike gespielte Amy Dunne im Film Gone Girl (2015).

Hauptkurzschluss: HH

Liste 1 HH.png

Handlungstyp 1 kontrolliert die Handlungsenergie. Indem er als Kind seine Impulse und Handlungen an die Vorstellungen der Eltern anpasste, gelang es ihm, es ihnen unter grossen persönlichen Entbehrungen irgendwie knapp recht zu machen und sich ansonsten selbst zu bestrafen. Weil er dann von den Eltern in Ruhe gelassen wurde erreichte er so ein ausreichendes Maß an persönlicher Autonomie.

Erwachsene 1er die in diesen Überlebensmodus zurückfallen, fordern von sich selbst und anderen sehr viel. So viel dass sie es gerade eben unter großen persönlichen Entbehrungen hinkriegen, diesen übermenschlich hohen Erwartungen gerecht zu werden. Sturm-einer verhalten sich belehrend, streng und üben in allen Lebensbereichen zwanghaft Kontrolle aus. Sie fühlen sich aufgrund ihrer Entbehrungen dazu berechtigt, diese Maßstäbe aufzustellen und ungeachtet der Rechte anderer danach zu handeln. So setzen sie sich in ihren Entscheidungen über persönliche Grenzen hinweg.

In der Gegenwart eines Handlungstyps 1 mit Sturmwarnung fühlt man sich durch blicke, fehlende Worte und seine Körpersprache be- und verurteilt. Wenn man die Dinge nicht bis ins kleinste Detail so tut, wie er es seinen perfektionistischen Erwartung entspricht, ist man bereits durchgefallen.

Sekundärer Kurzschluss: FD

Liste 1 FD

Handlungstyp 1 im Sturmzustand verstärkt den Intellekt. Und weil dieser Kurzschluss dem Handlungskontrollierenden Hauptkurzschluss untergeordnet ist, äußert er sich dadurch, dass ein Sturm-einer äußerst stark darin ist, Regeln fürs perfekte Handeln und Gründe für deren Notwendigkeit zu ersinnen.

Diese Gedanken kriegt man selten direkt mit. Meistens hört man sie wenn er über andere spricht und sie vernichtend verurteilt. Und nach einer Weile weiß man dann, was die Runzeln auf seiner Stirn bedeuten, wenn er auch einen missbilligend anschweigt. Hinter seinen Kühlen Augen spricht ein sehr aktiver mentaler innerer Kritiker, der sich selbst und andere pausenlos an einer übertrieben hoch angesetzten Messlatte misst und beurteilt. Dieser so aufgeblähte innere Kritiker, half ihm in der Kindheit, einen Level des korrekten Handelns zu halten, der Ihm in der Problematik seines Familiensystems etwas persönliche Freiheit erkaufte.

Die Nachfolgende Szene gibt einen Einblick in die kritische und selbstherrlich überlegene Gedankenwelt eines Einers im Sturmzustand:

Sekundärer Kurzschluss: DF

Liste 1 DF

Nach dem Motto „Spontaneität steht dem korrekten Handeln im Weg“ distanziert sich Handlungstyp 1 vom Gefühl. Lediglich auf der von ihm kontrollierten Handlungsebene hält er sich vorbildlich an die Regeln des guten Tons. Und dies oft mit einer Belehrenden Note im Sinne von „Ich bringe dir bei, wie man das zwischenmenschlich richtig macht – sieh zu und lerne.“. So begegnet einem der Sturm-einser dort mit Professionalität wo man sich Menschlichkeit wünschen würde: Zwischenmenschlich befinden sich seine Partner in einem irritierenden Wechselbad aus freundlicher Handlungs-Wärme und unpersönlicher Gefühlskälte.

So funktioniert ein Handlungstyp 1 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person ist nicht in erster Linie am Wohl seiner Kinder interessiert sondern daran, dass sie ihr das Gefühl vermitteln, ein Elternteil zu sein, der es richtig macht. Statt Wärme gibt’s Regeln.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, der Zwanghaft das eigene und fremde Verhalten bis ins Detail regeln und kontrollieren muss? Auf jemanden, der einen genauso kritisch beurteilt wie sich und alle andern? Jemand, dessen Definition von zwischenmenschlicher Wärme im Knigge steht? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 1 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Zwanghafte Persönlichkeitsstörung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Gone Girl“ (2015) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Twentieth Century Fox Film Corporation


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 1 bestand dieses Problem in einer zu stark eingeschränkten Autonomie. Enge, starre Regeln und unfaire Umsetzungen die heute so, morgen so sein konnten prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 1
Die Kontrolle über die Handlungsenergie war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Handlunstyp 1 auf das Problem seiner gefährdeten Autonomie im Famliliensystem reagierte

Als Kind befand sich Handlungstyp 1 in der Situation dass sich der Lebensbereich der Autonomie problematisch darstellte und gleichzeitig für seine eigene Handlungsenergie günstige Bedingungen herrschten. Vielleicht hatte es ältere Geschwister die diese Umstände schufen, vielleicht war seine Bauchenergie durch Veranlagung besonders ausgeprägt. Jedenfalls war das Handeln die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 1 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 1: HANDELN -> HANDELN, die Kontrolle seiner Handlungsenergie, abgekürzt mit „HH“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Autonomie.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> DENKEN, die Verstärkung des Intellekts „FD“ und DENKEN -> FÜHLEN, die Distanzierung vom Gefühl „DF“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Autonomie für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 1
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Haupturzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 1 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Handlungstyp 1 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Handlungstyp 1

Sturmwarnung: Gedankentyp 7

catch-me poster

Woran erkennt man, dass ein Gedankentyp 7 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Der von Leonardo DiCaprio gespielte Trickbetrüger Frank Abagnale in „Catch Me If You Can“ (2002) ist ein überzeichnetes aber zur Veranschaulichung sehr geeignetes Beispiel eines Gedankentyp 7 mit Sturmwarnung.

Hauptkurzschluss: HD

Liste 7 HD

Gedankentyp 7 behandelt das Denken. Er kontrolliert in diesem Kurzschluss zwanghaft seine Gedanken und zwar in einer Weise, wie es ein Glücksgefühl und damit Sicherheit erzeugt – Im Familiensystem seiner Kindheit hatte er die Erfahrung gemacht, dass man sich nur dann um ihn kümmert, wenn es ihm gut geht. Daher nutzt er sein Denken im Sturmzustand auf folgende glücklichkeitsstimulierende weisen:

– Vorausplanung: Seine Gedanken sind darauf ausgerichtet, sich ein Glücklichkeits-Wohlfühlprogramm mit vielen aufregenden Höhepunkten zusammenzustellen. Das macht Gedankentyp 7 zum rastlosen Organisator für bunte, ausgefallene Gruppenaktivitäten in welchen er dann gleichzeitig die Party schmeißt und „genießt“.

– Situativ: Von Moment zu Moment richtet er seine Gedanken kontrolliert auf die Dinge, die ihm unmittelbar ein Genussgefühl geben. Buntes, lautes, schönes, aufregendes, neues. Dabei fällt Außenstehenden auf, dass seine Aufmerksamkeit ausschließlich diesem Zweck dient. Sich hingegen auf etwas konstantes, eintöniges zu konzentrieren fällt Gedankentyp 7 im Sturmzustand nicht nur schwer, sondern stresst ihn außerordentlich, da er dann seine Sicherheit bedroht fühlt (Stichwort: ADS).

-Inspiration: Um den weiteren Verlauf seines Lebens genussvoll zu erhalten ist er ständig auf der Suche nach Inspiration dafür und scannt sein Umfeld auf mögliche Quellen.

Weil ein Siebner im Sturmzustand von der Stimulation mit erfreulichen Gedanken abhängig ist, tritt er nicht nur sich selbst sondern auch gegenüber anderen als charmanter Gedankenpolizist auf. Heiterkeits-fördernde Gedanken sind gut, werden gedacht, in anderen gefördert und manchmal mit missionarischem Eifer gepredigt. Gedanken hingegen, die sich um die „langweiligeren“, ernsteren oder gar traurigeren Bereiche des Lebens drehen werden postwendend bekämpft in dem der Sturm-Siebner an ihnen beweist, dass er sie ins „positive“ zu verändern versteht.

Die Bandbreite der Auswirkungen reicht dabei von etwas anstrengenden Begegnungen, in denen man mit einstellungs-korrigierenden Erfolgsgedanken ungebeten gecoached wird, über die vielen harmlosen Bücher zum Thema „positives Denken“ bis hin zu ernsten Scharlatanerien, in denen kranke Siebner leichtgläubige Nachfolgerschaften um sich scharen und von ihrer Erfolgsideologie abhängig machen.

Sekundärer Kurzschluss: DH

 

Liste 7 DH

Gedankentyp 7 im Sturmzustand distanziert sich von den Konsequenzen seiner Handlungen, von Verantwortung. Besonders auffällig wird dies in festen Beziehungen wo es drauf ankommt füreinander in guten wie in schweren Zeiten da zu sein. Dies wird als sehr stressig empfunden und so ergreift die Sturm-7 immer dann die Flucht, wenn eine Beziehung verlässlicher zu werden droht. Was in der unteren Hochzeits-szene übertrieben dargestellt ist, geschieht in romantischen Beziehungen manchmal als buchstäbliche Flucht, in Familien eher als Flucht in die Arbeit, was nicht selten zum Workaholismus führt.

Sekundärer Kurzschluss: FF

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Typ 7 verstärkt Glücksgefühle und identifiziert sich damit. Auf andere geht er dadurch ganz besonders charmant und gewinnend zu. In seinem ungesunden Zustand geschieht dies allerdings nur bis zu dem Grade wie es seine Genussucht unterstützt. Seine betonte Emotionalität erhält dadurch einen auf lange Sicht auffallend egoistischen Charakter.

Die zwischenmenschliche Devise einer ungesunden Sieben lautet: flirten ja und intensiv weil es unmittelbaren Genuss bedeutet; Bindung nein, weil fremde Bedürfnisse sie in ihrem Erlebnis-Programm einschränken.

So funktioniert ein Gedankentyp 7 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person bewegt sich rastlos von Event zu Event und wenn sie mal physisch anwesend ist, sind ihre Gedanken schon beim nächsten Spektakel statt beim Leben der Kinder. Diese fühlen die teilnahmslose Verantwortungsflucht dieses Elternteils und werden bei seiner emotionalen Selbststimulation als Mittel zum Zweck eingespannt.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, den man eigentlich nie „antrifft“? Auf jemanden, der auscheckt sobald Verlässlichkeit gefragt ist? Jemand dessen Emotionalität sich unter dem Strich nur ums eigene unmittelbare Genusserleben dreht? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und Lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 7 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: ADHS/ADS, Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Bipolare Störung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Catch Me If You Can“ (2002) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: DreamWorks Pictures


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 7 bestand dieses Problem in mangelnder Sicherheit. Unklarheiten und gefährlich unübersichtliche Situationen prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 7
Die Kontrolle über das Denken war der innere Kurzschluss mit dem dir Psyche von Gedankentyp 7 auf das Problem seiner gefährdeten Sicherheit im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Sicherheit problematisch darstellte, herrschten fürs Handeln günstige Umstände. Vielleicht legten die Eltern viel Wert auf Tüchtigkeit und Leistung. Jedenfalls war das Handeln die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 7 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 7: HANDELN -> DENKEN, die Kontrolle übers Denken, abgekürzt mit „HD“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Sicherheit.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: DENKEN -> HANDELN, die Verstärkung der Handlungsenergie „DH“ und FÜHLEN -> FÜHLEN, die Verstärkung des Gefühls „FF“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Sicherheit für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 7
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 7 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gedankentyp 7 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gedankentyp 7

Sturmwarnung: Gefühlstyp 2

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Woran erkennt man, dass ein Gefühlstyp 2 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als Beispiel eines Gefühlstyps 2 mit Sturmwarnung soll im Folgenden der von Robin Williams gespielte Hauptcharakter Hunter „Patch“ Adams im Film „Patch Adams“ (1998) dienen.

Hauptkurzschluss: FF

Liste 2 FF

Gefühlstyp 2 im Sturmzustand verstärkt das Gefühl. Patch ist ausgerichtet auf die Gefühlswelt, identifiziert sich mit seiner Rolle als derjenige, der auf die Gefühle des Gegenübers ausgerichtet ist, diese hervorholt, verstärkt, sie wertschätzt und dafür Wertschätzung erhält. Wann immer er das tut, treten für ihn seine eigenen Probleme in den Hintergrund. Er lenkt sich selbst in diesen Momenten von seiner eigenen und die Menschen im Heim von ihren Krankheiten ab. So lange er dieses temporäre emotionale Pflaster, der „Patch“, sein kann, fühlt er den Grund für seinen Aufenthalt im Heim – seine Suizidalität – nicht mehr. Dieser Prozess ist seine Droge. Sobald er sie kriegt, fällt er in einen manischen, selbstüberschätzenden Stolz-rausch. fehlt sie, wird er depressiv. Um sie zu kriegen braucht er kranke und hilfsbedürftige Menschen um sich, weil er ohne sie nicht Pflaster sein kann.

Sekundärer Kurzschluss: HD

Liste 2 HD

Gefühlstyp 2 kontrolliert in seinem Stressmuster Gedanken. Die Sachebene wird damit flexibel an seine Sucht nach emotionaler Wertschätzung angepasst. In der unteren Szene befindet sich Patch an der Universität und absolviert das Medizinstudium, das er an die Stelle seiner Psychotherapie gesetzt hat.

Patch belehrt seinen Mitstudenten: „das Wichtigste ist doch, das wir lernen sowohl den Patienten, als auch die Krankheit zu behandeln und deshalb müssen wir uns in den Menschen vertiefen und durch ein Meer von Humanität waten.” Hier definiert er gerade den Zweck der Medizin neu. Und ersetzt die Zielsetzung mit einer, die ihm erlaubt, als „Arzt“ seinen „Kick“ zu bekommen. Im Film gibt es viele ähnliche Aussagen. Um zu zeigen was ich mit flexibler Sachebene meine, werde ich auf diese eine als Beispiel eingehen:

Ärzte behandeln Krankheiten. Das ist ihr Job. Gehen sie darüber hinaus, nutzen sie die Hilfsbedürftigkeit der Patienten aus und überschreiten persönliche Grenzen. Wenn jemand als Mensch „behandelt“ werden will geht er zu einem Psychotherapeuten. Unter anderem Weil er weiß, dass der Psychotherapeut die dazu nötigen Kenntnisse hat und weiß, wie man in diesem Rahmen persönliche Grenzen wahrt. Was Patch macht ist weder Krankheiten, noch „Menschen“ behandeln. Sondern er schwingt sich emotional auf sie ein. Diese Fühlen sich in diesem Moment besser weil sie von ihren Sorgen abgelenkt werden. Auch auf der persönlichen Ebene von Freundschaften ist emotionales Einschwingen wichtig. Doch das ist etwas anderes als „das wichtigste“ der Medizin.

Patch vermischt in seinen Begründungen diese Ebenen. Weil er süchtig danach ist, sich selbst von seinen Sorgen abzulenken. Und dabei eine möglichst salonfähige Begründung für sein Tun benötigt.

Nicht nur beim Rechtfertigen seines Verhaltens sondern auch beim „Beschaffen“ seiner „Droge“ bedient er sich der wilden, freien Anpassung der Sachebene. Innere Werte für die er zu stehen scheint werden flexibel und in Sekundenschnelle an die äußeren Umstände angepasst. Bei diesen Werten kann es sich um alles Mögliche handeln. In diesem Fall „Rindfleisch“.

Sekundärer Kurzschluss: DH

Liste 2 DH

Patch distanziert sich von seinen Handlungen, lehnt Verantwortung ab. In der angeführten Szene konfrontiert ihn sein Mitstudent, der mittlerweile zusammen mit Patch dessen Vision eines staatlich nicht anerkannten Spitals umsetzt. Er ist nicht damit einverstanden, dass Patch dem Projekt den Rücken kehren will nachdem eine Angestellte, die zugleich Patchs Freundin war, von einem psychisch kranken ermordet wurde.

Ereignisse die in seinem Verantwortungsbereich lagen, projiziert er auf „das schlechte im Menschen“ und „Gottes Schöpfung“. Statt Verantwortung wahrzunehmen, das Konzept zu überdenken und sich um seine Patienten zu kümmern, antwortet er „Sie werden es überleben“ und flüchtet in die nächste emotionale „Patch“-Gelegenheit an der medizinischen Universität. Dort erhält er Applaus und Anerkennung.

So funktioniert ein Gefühlstyp 2 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die da sind. Eine so funktionierende Person ist nicht wirklich da sondern rastlos auf der Suche nach ihrem „Fix“. Man weiß nicht, wer sie ist, weil ihre inneren Werte von Umfeld zu Umfeld wechseln. Kinder sind auf diese Stabilität angewiesen. Und genauso unerlässlich ist für sie die Fähigkeit ihrer Eltern, echte Verantwortung zu übernehmen.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, der nie wirklich „da“ ist? Auf jemanden, dessen innere Werte man nicht kennen lernen kann? Jemand der keine Verantwortung fürs eigene Handeln übernimmt und stattdessen projiziert? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 2 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Bipolare Störung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Dependente Persönlichkeitsstörung, Kodependenz, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Patch Adams“ und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Universal Pictures (ZEFR) CPR for Diaphana


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Gefühlstyp 2 bestand dieses Problem in einer mangelhaften Versorgung mit Wärme. Zwischenmenschliche Unsicherheit, in welcher die persönliche Zuwendung nicht verlässlich war prägte die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 2
Die Verstärkung des Gefühls war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche on Gefühlstyp 2 auf das Problem seiner gefährdeten Versorgung mit Wärme im Familiensystem reagierte

Als Kind befand sich Gefühlstyp 2 in der Situation dass sich der Lebensbereich der Wärme problematisch darstellte und gleichzeitig für seine eigene Gefühlsenergie günstige Bedingungen herrschten. Vielleicht hatte es ältere Geschwister die diese Umstände schufen, vielleicht war seine Emotionsenergie durch Veranlagung besonders ausgeprägt. Jedenfalls war das eigene Gefühl die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 8 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 2: FÜHLEN -> FÜHLEN, die Verstärkung seiner Gefühlsenergie, abgekürzt mit „FF“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Wärme.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: HANDELN -> DENKEN, die Kontrolle über das Denken „HD“ und DENKEN -> HANDELN, die Distanzierung vom Handeln „DH“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Wärme für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 2
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 2 das Problem der gefährdeten Wärme erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gefühlstyp 2 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gefühlstyp 2