Sturmwarnung: Handlungstyp 1

Gone Girl Cover Art

Woran erkennt man, dass ein Handlungstyp 1 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als überzeichnetes aber funktionierendes Beispiel eines Handlungstyps 1 mit Sturmwarnung dient im Folgenden die von Rosamund Pike gespielte Amy Dunne im Film Gone Girl (2015).

Hauptkurzschluss: HH

Liste 1 HH.png

Handlungstyp 1 kontrolliert die Handlungsenergie. Indem er als Kind seine Impulse und Handlungen an die Vorstellungen der Eltern anpasste, gelang es ihm, es ihnen unter grossen persönlichen Entbehrungen irgendwie knapp recht zu machen und sich ansonsten selbst zu bestrafen. Weil er dann von den Eltern in Ruhe gelassen wurde erreichte er so ein ausreichendes Maß an persönlicher Autonomie.

Erwachsene 1er die in diesen Überlebensmodus zurückfallen, fordern von sich selbst und anderen sehr viel. So viel dass sie es gerade eben unter großen persönlichen Entbehrungen hinkriegen, diesen übermenschlich hohen Erwartungen gerecht zu werden. Sturm-einer verhalten sich belehrend, streng und üben in allen Lebensbereichen zwanghaft Kontrolle aus. Sie fühlen sich aufgrund ihrer Entbehrungen dazu berechtigt, diese Maßstäbe aufzustellen und ungeachtet der Rechte anderer danach zu handeln. So setzen sie sich in ihren Entscheidungen über persönliche Grenzen hinweg.

In der Gegenwart eines Handlungstyps 1 mit Sturmwarnung fühlt man sich durch blicke, fehlende Worte und seine Körpersprache be- und verurteilt. Wenn man die Dinge nicht bis ins kleinste Detail so tut, wie er es seinen perfektionistischen Erwartung entspricht, ist man bereits durchgefallen.

Sekundärer Kurzschluss: FD

Liste 1 FD

Handlungstyp 1 im Sturmzustand verstärkt den Intellekt. Und weil dieser Kurzschluss dem Handlungskontrollierenden Hauptkurzschluss untergeordnet ist, äußert er sich dadurch, dass ein Sturm-einer äußerst stark darin ist, Regeln fürs perfekte Handeln und Gründe für deren Notwendigkeit zu ersinnen.

Diese Gedanken kriegt man selten direkt mit. Meistens hört man sie wenn er über andere spricht und sie vernichtend verurteilt. Und nach einer Weile weiß man dann, was die Runzeln auf seiner Stirn bedeuten, wenn er auch einen missbilligend anschweigt. Hinter seinen Kühlen Augen spricht ein sehr aktiver mentaler innerer Kritiker, der sich selbst und andere pausenlos an einer übertrieben hoch angesetzten Messlatte misst und beurteilt. Dieser so aufgeblähte innere Kritiker, half ihm in der Kindheit, einen Level des korrekten Handelns zu halten, der Ihm in der Problematik seines Familiensystems etwas persönliche Freiheit erkaufte.

Die Nachfolgende Szene gibt einen Einblick in die kritische und selbstherrlich überlegene Gedankenwelt eines Einers im Sturmzustand:

Sekundärer Kurzschluss: DF

Liste 1 DF

Nach dem Motto „Spontaneität steht dem korrekten Handeln im Weg“ distanziert sich Handlungstyp 1 vom Gefühl. Lediglich auf der von ihm kontrollierten Handlungsebene hält er sich vorbildlich an die Regeln des guten Tons. Und dies oft mit einer Belehrenden Note im Sinne von „Ich bringe dir bei, wie man das zwischenmenschlich richtig macht – sieh zu und lerne.“. So begegnet einem der Sturm-einser dort mit Professionalität wo man sich Menschlichkeit wünschen würde: Zwischenmenschlich befinden sich seine Partner in einem irritierenden Wechselbad aus freundlicher Handlungs-Wärme und unpersönlicher Gefühlskälte.

So funktioniert ein Handlungstyp 1 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person ist nicht in erster Linie am Wohl seiner Kinder interessiert sondern daran, dass sie ihr das Gefühl vermitteln, ein Elternteil zu sein, der es richtig macht. Statt Wärme gibt’s Regeln.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, der Zwanghaft das eigene und fremde Verhalten bis ins Detail regeln und kontrollieren muss? Auf jemanden, der einen genauso kritisch beurteilt wie sich und alle andern? Jemand, dessen Definition von zwischenmenschlicher Wärme im Knigge steht? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 1 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Zwanghafte Persönlichkeitsstörung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Gone Girl“ (2015) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Twentieth Century Fox Film Corporation


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 1 bestand dieses Problem in einer zu stark eingeschränkten Autonomie. Enge, starre Regeln und unfaire Umsetzungen die heute so, morgen so sein konnten prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 1
Die Kontrolle über die Handlungsenergie war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Handlunstyp 1 auf das Problem seiner gefährdeten Autonomie im Famliliensystem reagierte

Als Kind befand sich Handlungstyp 1 in der Situation dass sich der Lebensbereich der Autonomie problematisch darstellte und gleichzeitig für seine eigene Handlungsenergie günstige Bedingungen herrschten. Vielleicht hatte es ältere Geschwister die diese Umstände schufen, vielleicht war seine Bauchenergie durch Veranlagung besonders ausgeprägt. Jedenfalls war das Handeln die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 1 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 1: HANDELN -> HANDELN, die Kontrolle seiner Handlungsenergie, abgekürzt mit „HH“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Autonomie.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> DENKEN, die Verstärkung des Intellekts „FD“ und DENKEN -> FÜHLEN, die Distanzierung vom Gefühl „DF“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Autonomie für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 1
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Haupturzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 1 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Handlungstyp 1 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Handlungstyp 1

Sturmwarnung: Gedankentyp 6

Social Network Cover

Woran erkennt man, dass ein Gedankentyp 6 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Der von Jesse Eisenberg gespielte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in „The Social Network“ (2010) dient im Folgenden als Beispiel für einen Gedankentyp 6 mit Sturmwarnung.

Hauptkurzschluss: DD

Liste 6 DD

Gedankentyp 6 distanziert sich in seinem Hauptkurzschluss vom Denken. Dies erscheint auf den ersten Blick paradox, weil gerade er mehr als alle anderen in der Welt der Gedanken und Fakten zu hause zu sein scheint. Doch wie beim Gefühlstyp 3, der sich wegen seiner Distanziertheit gegenüber seiner inneren Gefühle zur Kompensation betont in der äußerlichen Gefühlswelt bewegt sind es auch beim Gedankentyp 6 nicht seine inneren, persönliche Gedanken, um die sich seine Aussagen drehen sondern äußerliche: Er spricht über Dinge und Informationen, zitiert Gesellschaftskritiker und kann sich in intensiven Erzählungen über bedeutende Wendepunkte der Menschheitsgeschichte verlieren. Doch was seine eigene Geschichte betrifft, sieht es ganz anders aus. Im Gespräch mit ihm scheint man einen Menschen ohne Vergangenheit vor sich zu haben. Von diesem Bereich – dem Bereich seiner eigenen Identität – distanziert er sich und kompensiert den Verlust dieses Identitätsgefühls durch eine äusserst aktive Schutzschicht zusammengetragener äußerlicher Gedanken. Das macht seine Ausstrahlung ungreifbar und kernlos.

Nicht nur von seiner eigenen inneren Logik sondern auch von Gedanken die von außen an ihn herangetragen werden, distanziert er sich. Er zweifelt generell an Aussagen und an der Inhaltlichen Aufrichtigkeit seines Gegenübers – besonders dann, wenn der Input ihn irgendwie persönlich betreffen könnte. Erkennbar wird dies mal durch direktes misstrauisches Hinterfragen der Beweggründe, mal durch eine passive überhebliche wie-auch-immer Haltung, in welcher er demonstrativ nicht hinhört.

Gedankentyp 6 ist derjenige, bei dem die Geschlechterunterschiede am deutlichsten sind. Der Grund dafür ist, dass Typ 6 sich mit seinem Hauptkurzschluss von seiner Identität distanziert. Und diese wird dann bei Mann und Frau unterschiedlich neu „zusammengebastelt“: Männer kompensieren den Identitätsverlust tendenziell mehr über die Handlungsebene – Konkurrenz, Arbeit, Leistungen; Frauen über die Gefühlsebene – sexuelle Anziehungskraft, „sammeln“ von Werbern, sozialer Status.

Von den nachfolgenden sekundären Kurzschlüssen tritt deswegen bei Männern eher der erste zu Tage (FH), bei Frauen eher der zweite (HF).

Sekundärer Kurzschluss: FH

Liste 6 FH

„Identität gefährdet? mir egal. und überhaupt wollen wir das in Zukunft mal sehen“ sagte die Psyche des Kindes und stürzte sich ins Handeln. Und so tut es auch der erwachsene Sechser im Sturmzustand. Er verstärkt sein Handeln und den eigenen Willen, seine Durchsetzungskraft und identifiziert sich mit seinen Errungenschaften. Er verstärkt den Konflikt- und Wettkampfgeist in dem Masse wie es für das wiederherstellen des verlorenen Selbstsicherheitsgefühls nötig ist.

Sekundärer Kurzschluss: HF

Liste 6 HF

Gedankentyp 6 mit Sturmwarnung behandelt Beziehungen und Gefühle wie Dinge. Er muss darin zwanghaft die Kontrolle innehaben, die er dominant und zum Teil skrupellos ausübt. Er passt die Beziehungen zu anderen Menschen aktiv seiner Sucht nach dem Selbstsicherheitsgefühl an und bedient sich dabei seiner Freunde als Mittel zum Zweck.

So funktioniert ein Gedankentyp 6 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Ein so funktionierender Mensch zeigt keine Identität und hält damit dem Kind die benötigten Orientierungspunkte vor. Stattdessen flüchtet er vor seinen Kindern in eine abgehobene Expertenwelt und betrachtet sie als Visitenkarten die durch besondere Leistungen seinem Selbstsicherheitsgefühl dienen sollen.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, der seine Identität aus der Beziehung raus hält und allem und jedem misstraut? Auf jemanden, der sein Identitätsgefühl mit besonderen Leistungen aufrechterhalten muss? Jemand dessen Beziehungsbereitschaft von seiner überlegenen Position darin abhängig ist, die er zwanghaft sicherstellt? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 6 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Asperger Syndrom, Schizoaffektive Störung, Paranoide Persönlichkeitsstörung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Autismus.

Sonnige Grüsse 😉


 

Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „The Social Network“ (2010) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Columbia Pictures


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 6 bestand dieses Problem in mangelnder Sicherheit. Unklarheiten und gefährlich unübersichtliche Situationen prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 6
Die Distanzierung vom Denken war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Gedankentyp 6 auf das Problem seiner gefährdeten Sicherheit im Familiensystem reagierte

Als Kind befand sich Gedankentyp 6 in der Situation dass sich der Lebensbereich der Sicherheit problematisch darstellte und gleichzeitig für sein eigenes Denken günstige Bedingungen herrschten. Vielleicht hatte es ältere Geschwister die diese Umstände schufen, vielleicht war seine Mentale Energie durch Veranlagung besonders ausgeprägt. Jedenfalls war das Denken die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 6 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 6: DENKEN -> DENKEN, die Distanzierung vom Denken, abgekürzt mit „DD“. Mit diesem dissoziativen inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Sicherheit.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> HANDELN, die Verstärkung der Handlungsenergie „FH“ und HANDELN -> FÜHLEN, die Kontrolle über das Gefühl „HF“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Sicherheit für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 6
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 6 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gedankentyp 6 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

 

 

Sturmwarnung: Gedankentyp 6

Sturmwarnung: Gefühlstyp 4

vergiss-mein-nicht-poster

Woran erkennt man, dass ein Gefühlstyp 4 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Die von Kate Winslet gespielte Clementine im Film „Vergiss mein nicht!“ (2004) eignet sich hervorragend als Beispiel eines Typs 4 mit Sturmwarnung…

Hauptkurzschluss: HF

Liste 4 HF

Mit seinem H- Hauptkurzschluss ist Gefühlstyp 4 im Sturmzustand einer der „herrschsüchtigen Selbstversorger“. Diese herrschen über die entsprechende Ebene um sich selbst damit zu versorgen. Bei Typ 4 ist es die Gefühlsebene – es geht um die Selbstversorgung mit Wärme. Die Person gibt sich selbst das wohlwollende Gesehenwerden das ihr in der Kindheit mangelte.

Dabei ist sie nicht nur sich selbst ein Spiegel sondern bringt auch andere dazu, Spiegel zu sein. Magische Spiegel, die jederzeit nur erfreuliches Spiegeln. Von dieser positiven Rückmeldung abhängig kontrolliert sie zwanghaft, wie andere sie sehen. Sie muss auffallend einzigartig sein und andere mit Charme und Verführungskunst dazu bringen, diese Einzigartigkeit zu bemerken und darauf positiv zu reagieren. Mal geschieht dies passiv indirekt, mal mit emotionalem Powerplay durch das die gefühlsmäßige Bindung des „Spiegels“ sehr schnell sehr tief werden soll.

Gelingt es, ist die Sucht befriedigt und bis auf eine gewisse Langeweile ist alles in Ordnung. Kommt aber vom Umfeld einmal keine oder gar eine negative Rückmeldung, eilen die beiden sekundären Kurzschlüsse zu Hilfe.

Sekundärer Kurzschluss: FH

Liste 4 FH

Der Kurzschluss Fühlen – Handeln bewirkt die Verstärkung der eigenen Handlungsenergie. Die Identifikation mit dem eigenen Willen und dessen Durchsetzung. Und weil dieser Kurzschluss der emotionalen Selbstversorgung untergeordnet ist, äußert er sich in Provokationen und emotional inszenierten Dramen. In Kämpfen, die auf das Resultat abzielen, dass schlussendlich ein positiv gefühltes Selbstbild entsteht. So wird Typ 4 im Sturmzustand zur „Drama Queen“. Dieses dominante Auftreten überrascht und irritiert das Umfeld oft, da es wie ein Blitz aus heiterem Himmel zu kommen scheint.

Der auslösende Grund dafür ist fehlende positive Spiegelung. Die Logik dahinter: „Willst du nicht mein magischer Spiegel sein, bring ich dich emotional dazu, im Unrecht zu sein und verschaffe mir so das gute Gefühl dir gegenüber, von dem ich abhängig bin.“

Sekundärer Kurzschluss: DD

Liste 4 DD

Der zweite Kurzschluss, der in Kraft tritt, sobald keine positive Spiegelung von außen kommt ist Denken – Denken: Die Distanzierung von Gegebenheiten, Zusammenhängen und Logik. Auf dieser Ebene gibt es dann keine „Kohärenz“, keine konsequent schlüssigen Taten oder Aussagen. Auch dieser Kurzschluss dient der emotionalen Selbstversorgung mit einem positiven Selbstbild und äußert sich der Flucht in eine Phantasiewelt, in der das Selbstbild passt. Von außen betrachtet sieht diese Phantasiewelt mal übertrieben kindlich, heiter und gelassen, mal traurig melancholisch aus:

Eine „Nebenwirkung“ der Distanzierung vom Denken ist die damit einhergehende Distanzierung von der eigenen Identität, dem Gefühl für „ich-bin-ich und du-bist-du“. Sie äußert sich in depressiven Episoden, in denen die Person das Gefühl hat, auseinander zu fallen. Auch dann muss jemand her, der durch seine Spiegelung das negative Gefühl von außen kuriert und das Puzzle des zerbrochenen Selbstbilds wieder makellos zusammensetzt.

So funktioniert ein Gefühlstyp 4 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person, ist zwar emotional sehr präsent, aber nicht für die Kinder. Sondern tut aufgrund ihrer Sucht nach positiver Rückmeldung alles dafür, ihre Kinder zu unehrlichen immer-nur-gut-Spiegeln zu machen. Und weil sie in selbstidealisierenden, ständig wechselnden Phantasiewelten lebt, kann sie einem Kind nicht die Stabilität bieten, die es für seine gesunde Entwicklung benötigt.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht im selben Masse vom Partner abhängig doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, dessen Emotionalität nur auf das pausenlose erhalten positiver Aufmerksamkeit ausgerichtet ist? Auf jemanden der unfair aggressiv wird, sobald diese fehlt? Jemand, der die meiste Zeit in unzugänglichen Traumwelten lebt? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 2 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Borderline Persönlichkeitsstörung, Histrionische Persönlichkeitsstörung, Bipolare Störung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Vergiss mein Nicht!“ (2004) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Focus Features


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Gefühlstyp 4 bestand dieses Problem in einer mangelhaften Versorgung mit Wärme. Zwischenmenschliche Unsicherheit, in welcher die persönliche Zuwendung nicht verlässlich war prägte die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 4
Die Kontrolle über das Gefühl war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Gefühlstyp 4 auf das Problem seiner gefährdeten Versorgung mit Wärme im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Wärme problematisch darstellte, herrschten fürs Handeln günstige Umstände. Vielleicht legten die Eltern viel Wert auf Tüchtigkeit und Leistung. Jedenfalls war das Handeln die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 4 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 4: HANDELN -> FÜHLEN, die Kontrolle des Fühlens, abgekürzt mit „HF“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Wärme.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> HANDELN, die Verstärkung des Handelns „FH“ und DENKEN -> DENKEN, die Kontrolle übers Handeln „DD“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Wärme für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 4
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 4 das Problem der gefährdeten Wärme erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gefühlstyp 4 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gefühlstyp 4