Im Problem steckt die Lösung

intro

Wenn Menschen in Gruppen zusammen sind, entstehen Vorteile, entsteht ein „Bruttosozialprodukt“. Zusammensein gibt den Beteiligten Energie, bewirkt dass sie sich sicher, gesehen und frei fühlen. Das ist die Funktion vom Zusammensein. Es entspricht den Bedürfnissen.

Das Bruttosozialprodukt soll allen in der Gruppe zu gute kommen. Ist es anders, ist das eine problematische Situation, die, wenn sie nicht gelöst wird, zu unbefriedigenden Beziehungen und im schlimmsten Fall zu psychischen Störungen führt. Letzteres kann passieren, wenn eine Problemsituation über eine sehr lange Zeit besteht.

Die prägendste Gruppe ist die Familie. Darin tragen die Eltern die Verantwortung. Als Kind ist man darauf angewiesen, dass die Eltern dafür sorgen, dass man sich in der Familie sicher, gesehen und frei fühlen kann. Später kann man das dann zu einem grossen Teil selbst.

Manchmal tun das die Eltern aber nicht. Und manchmal wird in einer Familie ein Problem sogar zur Normalität und zum „blinden Fleck“: Man hat sich so sehr daran gewöhnt, dass man es nicht mehr sieht. Das macht es schwer, es zu lösen.

Die „Sturmwarnungen“ in diesem Blog sollen Licht werfen auf blinde Flecken und Impulse zur Benennung von problematischen Situationen geben. Sie sollen vor allem Jugendlichen helfen, problematisches Verhalten von Eltern zu erkennen und, wenn nötig in Therapiesitzungen, zu bennen – Bevor sie von ihren Eltern als „Problemkind“ gestempelt werden.

Das Erkennen eines Problems ist der erste Schritt zur Lösung. Benennt man ein Problem, weiss man bald auch, was man denn stattdessen möchte. Und das Rad des Lebens beginnt sich aus dem Leerlauf in Bewegung zu setzen.

Wenn du dich also unsicher, ungesehen oder unfrei fühlst in deiner Familie, lade ich dich ein auf eine humorvolle Reise in die psychischen Abgründe deiner Eltern 😉

Viel Spass und gute Reise 🙂

Im Problem steckt die Lösung

Sturmwarnung: Handlungstyp 9

Little Miss Sunshine Cover

Woran erkennt man, dass ein Handlungstyp 9 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als veranschaulichendes Beispiel eines Handlungstyps 9 mit Sturmwarnung dient im Folgenden die von Toni Colette gespielte Sheryl Hoover im Film Little Miss Sunshine (2006).

Hauptkurzschluss: DH

Liste 9 DH

Handlungstyp 9 im Sturmzustand distanziert sich von der eigenen Bauchenergie: Er unterdrückt zunächst eigene Impulse und Bedürfnisse und stellt sein Handeln in den eifrigen Dienst für die Wünsche anderer. Dabei lässt er seine unterdrückte Wut sich aufstauen und überzeugt andere davon, dass er selbst gar nichts will und völlig zufrieden damit ist, um das Wohl aller bemüht zu sein. So reagierte die 9 als Kind, als seine Autonomie mit starren Verhaltensregeln zu stark eingeengt zu werden drohte.

Irgendwann kommt dann aber der Punkt, an dem die unterdrückten Wünsche sich zu großer Wut zusammenballen. Diese entlädt sich in überraschenden, unpassend heftigen Zornäußerungen bei denen der zuvor betont wunschlos glückliche Sturm-Neuner nun auf einmal ganz viel will – aber auch jetzt nicht äußert, was das denn ist. So kommt es zu zermürbenden Schmoll-Phasen und trotzigen Sabotageaktionen: Das Erreichen der gemeinsamen Ziele, auf die man sich zuvor in harmonischer Übereinstimmung geeinigt hat, wird dann stumm aber gezielt vereitelt.

Wegen der sehr friedlichen und unauffälligen Ausstrahlung des Neuner-Musters erkennt man es nicht so leicht. Doch es wird sichtbar durch einen wiederkehrenden Kreislauf aus passiver Friedfertigkeit, emsiger Fürsorglichkeit und aggressiven Wut-Entladungen.

Sekundärer Kurzschluss: FF

Liste 9 FF

Handlungstyp 9 im Stress verstärkt die Gefühlsenergie. Und weil dieser „Kurzschluss“ der Bedürfnislosen Fürsorglichkeit untergeordnet ist, äußert er sich durch den sentimentalen Drang, andere bemutternd zu pflegen – seien es nun tatsächliche Kinder, Geschwister oder auch der Ehepartner. Alle fühlen dann die emotionale Bitte des Sturm-Neuners „Lass mich bitte deine Mama / dein Papa sein.“ Und man kann es seinem Muster dann nur recht machen, wenn man dieses Rollenspiel mitspielt und dabei persönliche Grenzüberschreitungen hinnimmt.

Für Kinder ist dies höchstens insofern problematisch dass sie nach einer Weile merken, dass es bei der Fürsorglichkeit dieses Elternteils eigentlich mehr um des elterlichen Bemutterungsbedürfnisses geht statt tatsächlich um ihre. Ehepartner und Geschwister, die sich eine gefühlsmäßige Augenhöhe wünschen, können ein solches Verhalten allerdings problematischer empfinden.

Sekundärer Kurzschluss: HD

Liste 9 HD.png

Sturm-Neuner kontrollieren die Gedankenebene. Fakten werden so schnell und flexibel an die Muster-Ziele des sich selbst unwichtig Machens und aufwändigen Bemutterns anderer angepasst. Für ihre Pflege-Aktionen und das anschaffen neuer Bedürftiger werden Gründe erdacht und Grenzüberschreitungen gerechtfertigt.

Während den Wut-Phasen äußert sich die Kontrolle übers Denken in unfairen Schuldzuweisungen und Urteilen. Gedanken dienten einer Neun im Sturmzustand nicht zum objektiven klären und Problemlösen sondern als „Munition“ für ihr Muster – die meist eine Situation noch unübersichtlicher macht und lediglich eins klärt: Dass es jetzt nach dem Kopf des schließlich bisher so friedlichen Neuners zu gehen hat.

So funktioniert ein Handlungstyp 9 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die tatsächlich für sie da sind. Eine so funktionierende Person ist nicht in erster Linie am Wohl seiner Kinder interessiert sondern daran, dass sie ihr das Gefühl vermitteln, ein fürsorglicher Elternteil zu sein. Kinder brauchen die Orientierung an einer klaren Haltung und müssen wissen, woran sie bei den Eltern sind. Eine so funktionierende Person wird diesen Halt nicht geben können.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, der nicht sagt, was er möchte und einen dafür bestraft? Auf jemanden, der Kontakt nur dann akzeptiert, wenn man so tut als sei man Pflegebedürftig Jemand, der in problemlöse-Situationen gedanklich um sich schießt? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 9 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Passiv-Aggressive Persönlichkeitsstörung, Histrionische Persönlichkeitsstörung, Kodependenz.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Little Miss Sunshine“ (2006) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Twentieht Century Fox Film Corporation


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 9 bestand dieses Problem in einer zu stark eingeschränkten Autonomie. Enge, starre Regeln und unfaire Umsetzungen die heute so, morgen so sein konnten prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 9
Die Distanzierung von der eigenen Handlungsenergie war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Handlungstyp 9 auf das Problem seiner gefährdeten Autonomie im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Autonomie problematisch darstellte, herrschten fürs denken günstige Umstände. Vielleicht legten die Eltern viel Wert auf Erkenntnis und Sicherheit. Jedenfalls war das Denken die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 9 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 9: DENKEN -> HANDELN, die Distanzierung von seiner Handlungsenergie, abgekürzt mit „DH“. Mit diesem dissoziativen inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Autonomie.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: HANDELN -> DENKEN, die Kontrolle über das denken „HD“ und FÜHLEN -> FÜHLEN, die Verstärkung des Gefühls „FF“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Autonomie für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 9
Durch die beiden sekundären Kurzschlüsse werde zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 9 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Handlungstyp 9 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

 

Sturmwarnung: Handlungstyp 9

Sturmwarnung: Gedankentyp 7

catch-me poster

Woran erkennt man, dass ein Gedankentyp 7 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Der von Leonardo DiCaprio gespielte Trickbetrüger Frank Abagnale in „Catch Me If You Can“ (2002) ist ein überzeichnetes aber zur Veranschaulichung sehr geeignetes Beispiel eines Gedankentyp 7 mit Sturmwarnung.

Hauptkurzschluss: HD

Liste 7 HD

Gedankentyp 7 behandelt das Denken. Er kontrolliert in diesem Kurzschluss zwanghaft seine Gedanken und zwar in einer Weise, wie es ein Glücksgefühl und damit Sicherheit erzeugt – Im Familiensystem seiner Kindheit hatte er die Erfahrung gemacht, dass man sich nur dann um ihn kümmert, wenn es ihm gut geht. Daher nutzt er sein Denken im Sturmzustand auf folgende glücklichkeitsstimulierende weisen:

– Vorausplanung: Seine Gedanken sind darauf ausgerichtet, sich ein Glücklichkeits-Wohlfühlprogramm mit vielen aufregenden Höhepunkten zusammenzustellen. Das macht Gedankentyp 7 zum rastlosen Organisator für bunte, ausgefallene Gruppenaktivitäten in welchen er dann gleichzeitig die Party schmeißt und „genießt“.

– Situativ: Von Moment zu Moment richtet er seine Gedanken kontrolliert auf die Dinge, die ihm unmittelbar ein Genussgefühl geben. Buntes, lautes, schönes, aufregendes, neues. Dabei fällt Außenstehenden auf, dass seine Aufmerksamkeit ausschließlich diesem Zweck dient. Sich hingegen auf etwas konstantes, eintöniges zu konzentrieren fällt Gedankentyp 7 im Sturmzustand nicht nur schwer, sondern stresst ihn außerordentlich, da er dann seine Sicherheit bedroht fühlt (Stichwort: ADS).

-Inspiration: Um den weiteren Verlauf seines Lebens genussvoll zu erhalten ist er ständig auf der Suche nach Inspiration dafür und scannt sein Umfeld auf mögliche Quellen.

Weil ein Siebner im Sturmzustand von der Stimulation mit erfreulichen Gedanken abhängig ist, tritt er nicht nur sich selbst sondern auch gegenüber anderen als charmanter Gedankenpolizist auf. Heiterkeits-fördernde Gedanken sind gut, werden gedacht, in anderen gefördert und manchmal mit missionarischem Eifer gepredigt. Gedanken hingegen, die sich um die „langweiligeren“, ernsteren oder gar traurigeren Bereiche des Lebens drehen werden postwendend bekämpft in dem der Sturm-Siebner an ihnen beweist, dass er sie ins „positive“ zu verändern versteht.

Die Bandbreite der Auswirkungen reicht dabei von etwas anstrengenden Begegnungen, in denen man mit einstellungs-korrigierenden Erfolgsgedanken ungebeten gecoached wird, über die vielen harmlosen Bücher zum Thema „positives Denken“ bis hin zu ernsten Scharlatanerien, in denen kranke Siebner leichtgläubige Nachfolgerschaften um sich scharen und von ihrer Erfolgsideologie abhängig machen.

Sekundärer Kurzschluss: DH

 

Liste 7 DH

Gedankentyp 7 im Sturmzustand distanziert sich von den Konsequenzen seiner Handlungen, von Verantwortung. Besonders auffällig wird dies in festen Beziehungen wo es drauf ankommt füreinander in guten wie in schweren Zeiten da zu sein. Dies wird als sehr stressig empfunden und so ergreift die Sturm-7 immer dann die Flucht, wenn eine Beziehung verlässlicher zu werden droht. Was in der unteren Hochzeits-szene übertrieben dargestellt ist, geschieht in romantischen Beziehungen manchmal als buchstäbliche Flucht, in Familien eher als Flucht in die Arbeit, was nicht selten zum Workaholismus führt.

Sekundärer Kurzschluss: FF

Liste 7 FF.png

Typ 7 verstärkt Glücksgefühle und identifiziert sich damit. Auf andere geht er dadurch ganz besonders charmant und gewinnend zu. In seinem ungesunden Zustand geschieht dies allerdings nur bis zu dem Grade wie es seine Genussucht unterstützt. Seine betonte Emotionalität erhält dadurch einen auf lange Sicht auffallend egoistischen Charakter.

Die zwischenmenschliche Devise einer ungesunden Sieben lautet: flirten ja und intensiv weil es unmittelbaren Genuss bedeutet; Bindung nein, weil fremde Bedürfnisse sie in ihrem Erlebnis-Programm einschränken.

So funktioniert ein Gedankentyp 7 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person bewegt sich rastlos von Event zu Event und wenn sie mal physisch anwesend ist, sind ihre Gedanken schon beim nächsten Spektakel statt beim Leben der Kinder. Diese fühlen die teilnahmslose Verantwortungsflucht dieses Elternteils und werden bei seiner emotionalen Selbststimulation als Mittel zum Zweck eingespannt.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, den man eigentlich nie „antrifft“? Auf jemanden, der auscheckt sobald Verlässlichkeit gefragt ist? Jemand dessen Emotionalität sich unter dem Strich nur ums eigene unmittelbare Genusserleben dreht? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und Lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 7 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: ADHS/ADS, Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Bipolare Störung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Catch Me If You Can“ (2002) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: DreamWorks Pictures


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 7 bestand dieses Problem in mangelnder Sicherheit. Unklarheiten und gefährlich unübersichtliche Situationen prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 7
Die Kontrolle über das Denken war der innere Kurzschluss mit dem dir Psyche von Gedankentyp 7 auf das Problem seiner gefährdeten Sicherheit im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Sicherheit problematisch darstellte, herrschten fürs Handeln günstige Umstände. Vielleicht legten die Eltern viel Wert auf Tüchtigkeit und Leistung. Jedenfalls war das Handeln die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 7 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 7: HANDELN -> DENKEN, die Kontrolle übers Denken, abgekürzt mit „HD“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Sicherheit.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: DENKEN -> HANDELN, die Verstärkung der Handlungsenergie „DH“ und FÜHLEN -> FÜHLEN, die Verstärkung des Gefühls „FF“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Sicherheit für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 7
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 7 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gedankentyp 7 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gedankentyp 7

Sturmwarnung: Gedankentyp 6

Social Network Cover

Woran erkennt man, dass ein Gedankentyp 6 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Der von Jesse Eisenberg gespielte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in „The Social Network“ (2010) dient im Folgenden als Beispiel für einen Gedankentyp 6 mit Sturmwarnung.

Hauptkurzschluss: DD

Liste 6 DD

Gedankentyp 6 distanziert sich in seinem Hauptkurzschluss vom Denken. Dies erscheint auf den ersten Blick paradox, weil gerade er mehr als alle anderen in der Welt der Gedanken und Fakten zu hause zu sein scheint. Doch wie beim Gefühlstyp 3, der sich wegen seiner Distanziertheit gegenüber seiner inneren Gefühle zur Kompensation betont in der äußerlichen Gefühlswelt bewegt sind es auch beim Gedankentyp 6 nicht seine inneren, persönliche Gedanken, um die sich seine Aussagen drehen sondern äußerliche: Er spricht über Dinge und Informationen, zitiert Gesellschaftskritiker und kann sich in intensiven Erzählungen über bedeutende Wendepunkte der Menschheitsgeschichte verlieren. Doch was seine eigene Geschichte betrifft, sieht es ganz anders aus. Im Gespräch mit ihm scheint man einen Menschen ohne Vergangenheit vor sich zu haben. Von diesem Bereich – dem Bereich seiner eigenen Identität – distanziert er sich und kompensiert den Verlust dieses Identitätsgefühls durch eine äusserst aktive Schutzschicht zusammengetragener äußerlicher Gedanken. Das macht seine Ausstrahlung ungreifbar und kernlos.

Nicht nur von seiner eigenen inneren Logik sondern auch von Gedanken die von außen an ihn herangetragen werden, distanziert er sich. Er zweifelt generell an Aussagen und an der Inhaltlichen Aufrichtigkeit seines Gegenübers – besonders dann, wenn der Input ihn irgendwie persönlich betreffen könnte. Erkennbar wird dies mal durch direktes misstrauisches Hinterfragen der Beweggründe, mal durch eine passive überhebliche wie-auch-immer Haltung, in welcher er demonstrativ nicht hinhört.

Gedankentyp 6 ist derjenige, bei dem die Geschlechterunterschiede am deutlichsten sind. Der Grund dafür ist, dass Typ 6 sich mit seinem Hauptkurzschluss von seiner Identität distanziert. Und diese wird dann bei Mann und Frau unterschiedlich neu „zusammengebastelt“: Männer kompensieren den Identitätsverlust tendenziell mehr über die Handlungsebene – Konkurrenz, Arbeit, Leistungen; Frauen über die Gefühlsebene – sexuelle Anziehungskraft, „sammeln“ von Werbern, sozialer Status.

Von den nachfolgenden sekundären Kurzschlüssen tritt deswegen bei Männern eher der erste zu Tage (FH), bei Frauen eher der zweite (HF).

Sekundärer Kurzschluss: FH

Liste 6 FH

„Identität gefährdet? mir egal. und überhaupt wollen wir das in Zukunft mal sehen“ sagte die Psyche des Kindes und stürzte sich ins Handeln. Und so tut es auch der erwachsene Sechser im Sturmzustand. Er verstärkt sein Handeln und den eigenen Willen, seine Durchsetzungskraft und identifiziert sich mit seinen Errungenschaften. Er verstärkt den Konflikt- und Wettkampfgeist in dem Masse wie es für das wiederherstellen des verlorenen Selbstsicherheitsgefühls nötig ist.

Sekundärer Kurzschluss: HF

Liste 6 HF

Gedankentyp 6 mit Sturmwarnung behandelt Beziehungen und Gefühle wie Dinge. Er muss darin zwanghaft die Kontrolle innehaben, die er dominant und zum Teil skrupellos ausübt. Er passt die Beziehungen zu anderen Menschen aktiv seiner Sucht nach dem Selbstsicherheitsgefühl an und bedient sich dabei seiner Freunde als Mittel zum Zweck.

So funktioniert ein Gedankentyp 6 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Ein so funktionierender Mensch zeigt keine Identität und hält damit dem Kind die benötigten Orientierungspunkte vor. Stattdessen flüchtet er vor seinen Kindern in eine abgehobene Expertenwelt und betrachtet sie als Visitenkarten die durch besondere Leistungen seinem Selbstsicherheitsgefühl dienen sollen.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, der seine Identität aus der Beziehung raus hält und allem und jedem misstraut? Auf jemanden, der sein Identitätsgefühl mit besonderen Leistungen aufrechterhalten muss? Jemand dessen Beziehungsbereitschaft von seiner überlegenen Position darin abhängig ist, die er zwanghaft sicherstellt? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 6 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Asperger Syndrom, Schizoaffektive Störung, Paranoide Persönlichkeitsstörung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Autismus.

Sonnige Grüsse 😉


 

Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „The Social Network“ (2010) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Columbia Pictures


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 6 bestand dieses Problem in mangelnder Sicherheit. Unklarheiten und gefährlich unübersichtliche Situationen prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 6
Die Distanzierung vom Denken war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Gedankentyp 6 auf das Problem seiner gefährdeten Sicherheit im Familiensystem reagierte

Als Kind befand sich Gedankentyp 6 in der Situation dass sich der Lebensbereich der Sicherheit problematisch darstellte und gleichzeitig für sein eigenes Denken günstige Bedingungen herrschten. Vielleicht hatte es ältere Geschwister die diese Umstände schufen, vielleicht war seine Mentale Energie durch Veranlagung besonders ausgeprägt. Jedenfalls war das Denken die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 6 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 6: DENKEN -> DENKEN, die Distanzierung vom Denken, abgekürzt mit „DD“. Mit diesem dissoziativen inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Sicherheit.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> HANDELN, die Verstärkung der Handlungsenergie „FH“ und HANDELN -> FÜHLEN, die Kontrolle über das Gefühl „HF“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Sicherheit für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 6
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 6 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gedankentyp 6 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

 

 

Sturmwarnung: Gedankentyp 6

Sturmwarnung: Gedankentyp 5

lolita_ver4_xlg

Woran erkennt man, dass ein Gedankentyp 5 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Als Beispiel eines Typ 5 mit Sturmwarnung dient nun der Hauptcharakter Humbert in „Lolita“ (1997), gespielt von Jeremy Irons.

Hauptkurzschluss: FD

Liste 5 FD

Gedankentyp 5 im Sturmzustand flüchtet in den Kopf. Er verstärkt das Denken, distanziert sich und blickt in seiner Einbildung „von außen“ auf das Geschehen. Aus dieser Position sammelt er Informationen die er wenn möglich sofort, oder wenn nötig später, verarbeitet. Obwohl er noch da ist, man emotional und auf der Handlungsebene noch etwas von ihm mitkriegt, ist das nichts, was mit ihm zu tun hat. Während seine Seele stumm im Kopf sitzt, laufen Handeln und Fühlen auf Autopilot. Mit seinem Fühlen – Denken Kurzschluss verstärkt er die Distanziertheit. Er verstärkt seine Fähigkeit, logische Zusammenhänge zu erkennen, Schlüsse zu ziehen und mental Ordnung ins Chaos zu bringen – Etwas, was in seiner Kindheit überlebenswichtig war.

So lebt ein Gedankentyp 5 mit Sturmwarnung ständig in der Rückblende und lässt die Realität lethargisch an sich vorbeiziehen. Seiner Lebensführung mangelt die eigene Führung und seine einzige Perspektive scheint die Retrospektive zu sein. Opportunistisch holt er aus dem, was andere für ihn entscheiden das heraus, was ihm dient ohne dabei eine Rolle zu spielen.

Die unteren Szenen veranschaulichen diese distanzierte Lebenshaltung. Humbert wird von seiner Vermieterin informiert, dass sie ihn heiraten will und dass sein Bleiben seine Zustimmung bedeutet. Da er sich heimlich für ihre Tochter interessiert, bleibt er und heiratet. Seine wahren Gedanken und Gefühle seiner neuen Frau gegenüber schreibt er auf und versteckt sie in seinem Schreibtisch. Als sie den Schlüssel findet, fliegt sein zwischenmenschliches Doppelleben auf. Dieses Fluchtverhalten in eine innere geheime Gedankenwelt ist bezeichnend für einen Gedankentyp 5 mit Sturmwarnung.

Sekundärer Kurzschluss: DF

Liste 5 DF

Um den Hauptkurzschluss aufrecht zu erhalten – um in seiner ordnenden, versteckten Gedankenwelt nicht gestört zu werden – distanziert sich Humbert von den Gefühlen. Das heißt nicht, dass er zwangsläufig Gefühllos wirkt. Aber seine Gefühle haben im Sturmzustand nichts mit ihm als Person und seinen Werten zu tun. Er versteckt sich hinter einer charakterlosen, dauer-mitschwingenden Maske. Dadurch macht er sich zu einer emotionalen Marionette, die wegen ihrer Gefühlsdistanziertheit nicht mitzukriegen scheint, wenn man Spiele mit ihr treibt. Auf Gefühlsebene ist Gedankentyp 5 im Sturmzustand das Fähnchen im Wind der Stürme anderer. Und „überlebt“ emotional von dem was er dabei zufällig kriegen kann. Sichtbar wird das durch eine hündische Abhängigkeit die sich im Extremfall zur Besessenheit entwickelt.

Sekundärer Kurzschluss: HH

Liste 5 HH

Humbert Kontrolliert das Handeln und die Bedürfnisse. Und weil dieser Kurzschluss der distanzierten Lebenshaltung dient, äußert er sich in hauptsächlich in passiven Formen und ist meistens nach innen gerichtet: Er passt seine eigenen Bedürfnisse dem an, was zu den äußeren Umständen passt und was ihm auf lange Sicht ermöglicht, auch irgendwie auf die Rechnung zu kommen. Er „Lügt mit dem Bauch“ wenn er auf fremde Wünsche eingeht und dabei so tut, als seien das auch die eigenen. Dies kommt in kleinen Schmeicheleien zum Ausdruck aber auch in dramatischeren Momenten, in denen er fähig ist, seinen Willen und die eigene Wut in Sekundenschnelle den äußeren Umständen anzupassen.

So funktioniert ein Gedankentyp 5 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person lebt dissoziiert von den Kindern. Sie mag in der Theorie viele Ideen haben und klare Vorstellungen von einer „guten Erziehung“. Aber für sie emotional da zu sein, und ihre Autonomie zu fördern ist ihr unmöglich. Stattdessen macht sie sich emotional von den Kindern abhängig und erwartet von ihnen, ihr die Sicherheit zu geben, die sie bei den eigenen Eltern vermisste. So kehrt sie die Fürsorge-Hierarchie um und schadet damit der Psyche der Kinder.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht in selbem Masse vom Partner abhängig, doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, der in einer verschlossenen, mentalen Geheimwelt lebt? Auf jemanden, der sich immer emotional ausklinkt und sich abhängig macht? Jemand, dessen Bedürfnisse nicht die eigenen sind sondern sich wie eine automatisierte Kriegstaktik chamäleonartig dem Umfeld anpassen? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 5 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Dependente Persönlichkeitsstörung, Kodependenz, Schizoide Persönlichkeitsstörung, Ängstlich-Vermeidende Persönlichkeitsstörung, Autismus.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Lolita“ (1997) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Pathé, The Samuel Goldwyn Company


Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Handlungstyp 5 bestand dieses Problem in mangelnder Sicherheit. Unklarheiten und gefährlich unübersichtliche Situationen prägten die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 5
Die Verstärkung des Denkens war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Gedankentyp 5 auf das Problem seiner gefährdeten Sicherheit im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Sicherheit problematisch darstellte, herrschten fürs Fühlen günstige Umstände. Vielleicht legten seine Eltern viel Wert auf Nähe und Wärme. Jedenfalls war das Gefühl die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 5 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 5: FÜHLEN -> DENKEN, die Verstärkung von seiner Mentalen Energie, abgekürzt mit „FD“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Sicherheit.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: DENKEN -> FÜHLEN, die Distanzierung vom Gefühl „DF“ und HANDELN -> HANDELN, die Kontrolle der Bauchenergie „HH“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Sicherheit für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 5
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 5 das Problem der gefährdeten Autonomie erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gedankentyp 5 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gedankentyp 5

Sturmwarnung: Gefühlstyp 4

vergiss-mein-nicht-poster

Woran erkennt man, dass ein Gefühlstyp 4 psychisch „stürmt“? Man merkt es daran, wie sich innere Kurzschlüsse der Funktionen Denken, Fühlen und Handeln auf sein Verhalten auswirken. Diese Kurzschlussreaktionen bilden ein erkennbares Muster.

Wie alle neun Muster entstand es in der Kindheit als psychischer Schutzmechanismus und leistete dort fantastische Dienste. Sobald dieses Muster aber über den Kindheitsschutz hinausgeht und jemand als Erwachsener dahin zurückfällt oder gar in Form einer Persönlichkeitsstörung darin gefangen bleibt, besteht für seine Kinder „Sturmwarnung“. Die von Kate Winslet gespielte Clementine im Film „Vergiss mein nicht!“ (2004) eignet sich hervorragend als Beispiel eines Typs 4 mit Sturmwarnung…

Hauptkurzschluss: HF

Liste 4 HF

Mit seinem H- Hauptkurzschluss ist Gefühlstyp 4 im Sturmzustand einer der „herrschsüchtigen Selbstversorger“. Diese herrschen über die entsprechende Ebene um sich selbst damit zu versorgen. Bei Typ 4 ist es die Gefühlsebene – es geht um die Selbstversorgung mit Wärme. Die Person gibt sich selbst das wohlwollende Gesehenwerden das ihr in der Kindheit mangelte.

Dabei ist sie nicht nur sich selbst ein Spiegel sondern bringt auch andere dazu, Spiegel zu sein. Magische Spiegel, die jederzeit nur erfreuliches Spiegeln. Von dieser positiven Rückmeldung abhängig kontrolliert sie zwanghaft, wie andere sie sehen. Sie muss auffallend einzigartig sein und andere mit Charme und Verführungskunst dazu bringen, diese Einzigartigkeit zu bemerken und darauf positiv zu reagieren. Mal geschieht dies passiv indirekt, mal mit emotionalem Powerplay durch das die gefühlsmäßige Bindung des „Spiegels“ sehr schnell sehr tief werden soll.

Gelingt es, ist die Sucht befriedigt und bis auf eine gewisse Langeweile ist alles in Ordnung. Kommt aber vom Umfeld einmal keine oder gar eine negative Rückmeldung, eilen die beiden sekundären Kurzschlüsse zu Hilfe.

Sekundärer Kurzschluss: FH

Liste 4 FH

Der Kurzschluss Fühlen – Handeln bewirkt die Verstärkung der eigenen Handlungsenergie. Die Identifikation mit dem eigenen Willen und dessen Durchsetzung. Und weil dieser Kurzschluss der emotionalen Selbstversorgung untergeordnet ist, äußert er sich in Provokationen und emotional inszenierten Dramen. In Kämpfen, die auf das Resultat abzielen, dass schlussendlich ein positiv gefühltes Selbstbild entsteht. So wird Typ 4 im Sturmzustand zur „Drama Queen“. Dieses dominante Auftreten überrascht und irritiert das Umfeld oft, da es wie ein Blitz aus heiterem Himmel zu kommen scheint.

Der auslösende Grund dafür ist fehlende positive Spiegelung. Die Logik dahinter: „Willst du nicht mein magischer Spiegel sein, bring ich dich emotional dazu, im Unrecht zu sein und verschaffe mir so das gute Gefühl dir gegenüber, von dem ich abhängig bin.“

Sekundärer Kurzschluss: DD

Liste 4 DD

Der zweite Kurzschluss, der in Kraft tritt, sobald keine positive Spiegelung von außen kommt ist Denken – Denken: Die Distanzierung von Gegebenheiten, Zusammenhängen und Logik. Auf dieser Ebene gibt es dann keine „Kohärenz“, keine konsequent schlüssigen Taten oder Aussagen. Auch dieser Kurzschluss dient der emotionalen Selbstversorgung mit einem positiven Selbstbild und äußert sich der Flucht in eine Phantasiewelt, in der das Selbstbild passt. Von außen betrachtet sieht diese Phantasiewelt mal übertrieben kindlich, heiter und gelassen, mal traurig melancholisch aus:

Eine „Nebenwirkung“ der Distanzierung vom Denken ist die damit einhergehende Distanzierung von der eigenen Identität, dem Gefühl für „ich-bin-ich und du-bist-du“. Sie äußert sich in depressiven Episoden, in denen die Person das Gefühl hat, auseinander zu fallen. Auch dann muss jemand her, der durch seine Spiegelung das negative Gefühl von außen kuriert und das Puzzle des zerbrochenen Selbstbilds wieder makellos zusammensetzt.

So funktioniert ein Gefühlstyp 4 mit Sturmwarnung.

Warum ist das für Familien gefährlich?

Weil Kinder in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die für sie da sind. Eine so funktionierende Person, ist zwar emotional sehr präsent, aber nicht für die Kinder. Sondern tut aufgrund ihrer Sucht nach positiver Rückmeldung alles dafür, ihre Kinder zu unehrlichen immer-nur-gut-Spiegeln zu machen. Und weil sie in selbstidealisierenden, ständig wechselnden Phantasiewelten lebt, kann sie einem Kind nicht die Stabilität bieten, die es für seine gesunde Entwicklung benötigt.

Warum ist es in Beziehungen schwierig?

Aus denselben Gründen. Zwar ist man als Erwachsener nicht im selben Masse vom Partner abhängig doch das gemeinsame Vorankommen hängt an der Beziehungsfähigkeit von beiden. Wie bezieht man sich als Partner auf jemanden, dessen Emotionalität nur auf das pausenlose erhalten positiver Aufmerksamkeit ausgerichtet ist? Auf jemanden der unfair aggressiv wird, sobald diese fehlt? Jemand, der die meiste Zeit in unzugänglichen Traumwelten lebt? Es ist möglich. Aber es ist schwierig.

Was hilft?

Betroffenen: Systemische Beratung, Traumatherapie

Familien: Familiensystem-Therapie

Paaren: Systemische Paartherapie

Und natürlich das Lesen dieses Blogs 😉 weil das Verständnis über die Hintergründe des Musters wie eine Abrissbirne für dessen Bedrohlichkeit ist. Was aus der Perspektive eines Kindes wie ein gefährlicher Tornado wirkte, sieht man dann als das, was es wirklich ist: Ein unfruchtbarer Leerlauf. Zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht mehr gefährlich. Und lösbar 🙂

Diese Beschreibung mit Hilfe des Enneagramms soll nicht bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen helfen. Diese gehört in professionelle Hände. Auch gibt es bisweilen noch keinen offiziell anerkannten Schlüssel, mit welchem die Enneagrammtypen in ihren psychisch kranken Formen in die Definitionen des DSM übersetzt werden können.

Glücklicherweise ist es weder nötig noch sinnvoll, sich umfassend über Persönlichkeitsstörungen zu informieren, bevor man zur Lösung der daraus entstehenden Probleme übergehen kann. Wer sich allerdings fachlich für die Störungen interessiert, für die meiner Meinung nach das Muster 2 ein günstiger Nährboden ist, dem seien folgende Stichworte zum googeln nahe gelegt: Borderline Persönlichkeitsstörung, Histrionische Persönlichkeitsstörung, Bipolare Störung, Narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Sonnige Grüsse 😉


Alle in diesem Post gezeigten Clips sind Zitate aus dem Film „Vergiss mein Nicht!“ (2004) und dienen dem alleinigen Zweck der Veranschaulichung. Das Urheberrecht des Films und des Filmplakats gehört: Focus Features


 

Die These dahinter: wie entsteht das Muster?

Jedes Kind braucht vor allem drei Dinge: Wärme, Sicherheit und Autonomie.

Ist die Erfüllung eines dieser Grundbedürfnisse in Gefahr, ist das ein lebensbedrohliches Problem. Und wenn die verantwortlichen Personen dieses Problem nicht lösen, wird die Psyche des Kindes alles daran setzen, es mit seinen inneren Ressourcen so gut es geht anzugehen. Diese Ressourcen sind die Funktionen Denken, Handeln und Fühlen. Sie gehen dann auf „Notfall-Autopilot“ und verbünden sich zu einer Allianz gegen das Problem.

Bei Gefühlstyp 4 bestand dieses Problem in einer mangelhaften Versorgung mit Wärme. Zwischenmenschliche Unsicherheit, in welcher die persönliche Zuwendung nicht verlässlich war prägte die frühe Erlebniswelt des Kindes.

Und seine Psyche reagierte darauf so:

Reaktion 4
Die Kontrolle über das Gefühl war der innere Kurzschluss mit dem die Psyche von Gefühlstyp 4 auf das Problem seiner gefährdeten Versorgung mit Wärme im Familiensystem reagierte

Während sich der Lebensbereich der Wärme problematisch darstellte, herrschten fürs Handeln günstige Umstände. Vielleicht legten die Eltern viel Wert auf Tüchtigkeit und Leistung. Jedenfalls war das Handeln die stärkste Ressource, die der Psyche von klein 4 zur Verfügung stand. Und damit reagierte sie.

So entstand der primäre innere „Kurzschluss“ von Typ 4: HANDELN -> FÜHLEN, die Kontrolle des Fühlens, abgekürzt mit „HF“. Mit diesem inneren Kurzschluss begegnete er dem Problem der gefährdeten Wärme.

Als Konsequenz dieses Hauptkurzschlusses gesellten sich zwei weitere dazu und eilten dem intervenierenden Zweck des ersten zu Hilfe: FÜHLEN -> HANDELN, die Verstärkung des Handelns „FH“ und DENKEN -> DENKEN, die Kontrolle übers Handeln „DD“.

Warum als Konsequenz? Weil die Erfahrung der gefährdeten Wärme für ein Kind lebensbedrohlich und deswegen traumatisch ist, meldet sich das Bewusstsein ab, welches im natürlichen Zustand viel Energie braucht um die Funktionen zu beobachten und untereinander harmonisch abzustimmen.

Diese Energie wird nun zur unmittelbaren Problemlösung benötigt und fließt daher in den Hauptkurzschluss. „Lieber überleben und nicht viel davon mitkriegen als Bewusst sterben“ ist die Devise dieses Not-reflexes. Die Funktionen verlieren also in diesem Zustand den Kontakt zum Bewusstsein, werden abgenabelt von der „Hauptzentrale“. Aber als einzelne Funktionen müssen sie unbedingt weiter aktiv sein damit sie der Psyche erhalten bleiben. Auch sie müssen überleben und wenn sie nicht in Bewegung bleiben, verkümmern sie. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip „use it or lose it“, was bedeutet dass alles, was nicht verwendet wird, verloren geht. Also verbinden sich die Funktionen untereinander so, wie es nebst dem Hauptkurzschluss noch möglich ist und bleiben dadurch aktiv. So machen sie das Beste aus der Situation: Sie überleben nicht nur sondern machen sich auch bei der Lösung des Hauptproblems nützlich. So entstehen die „sekundären Kurzschlüsse“ – Sie sind dem ersten untergeordnet:

primär sekundär 4
Durch die sekundären Kurzschlüsse werden zwei Dinge erreicht: Die Funktionen überleben weil sie aktiv bleiben und der Hauptkurzschluss wird unterstützt

Diese innere Allianz half Typ 4 das Problem der gefährdeten Wärme erträglich zu halten und die Kindheit zu überleben. Diesem Autopiloten verdankt Gefühlstyp 4 sein Leben. Man kann ein bisschen nachvollziehen, warum er seiner Psyche lieb geworden ist. Doch so nützlich und wichtig er in der Kindheit war, so problematisch wird er für das Umfeld, wenn er einen Erwachsenen noch immer beherrscht. Die nützliche Reaktion auf den Sturm von gestern wird dann zum Wind des Sturmes von heute. Der seine Kinder wiederum vor große Probleme stellt.

Sturmwarnung: Gefühlstyp 4